Freitag, 9. Dezember 2016

"Wo bist du Weihnacht?" // Weihnachten in der Zwischenphase

Kennst du diese Szene aus "Der Grinch", in der Cindy Louhou in ihrem Zimmer vor einem Spiegel sitzt und sich haarebürstend fragt, ob Weihnachten sich so sehr verändert hat oder ob sie ist es ist, die es inzwischen einfach anders sieht?
Ich glaube wir alle kennen dieses Gefühl, wenn wir zum ersten Mal wirklich begreifen, dass Weihnachten schneller vorbei ist, als wir gemerkt haben, dass es da war. Dieser Prozess ging bei mir irgendwie nicht schleichend, wie ich es erwarten würde, sondern ganz plötzlich war das Jahr da, indem der 24. vor der Tür stand und man irgendwie noch gar nicht bereit dafür war.

Ich bin das, was Rolf Zuckowski ein "Winterkind" nennt. Das hängt damit zusammen, dass ich mitten im Dezember Geburtstag habe und man sich denken kann, dass das als Kind einfach der Oberknaller war. Es kam mir vor, als gehörte dieser Monat allein mir. Und überall waren wichtige Termine und natürlich Geschenke. Seien es die Adventskalender, Nikolaus, Geburtstag, Weihnachten und dazu noch die verschiedenen Weihnachtsfeiern, Weihnachtsmärkte, Weihnachtskonzerte und nicht zu vergessen Silvester. Mein Puls war vermutlich dauerhaft auf 180 und obwohl gefühlt jedes Jahr eine Matheklausur an oder unmittelbar um meinen Geburtstag herum fiel, ließ ich mich nie davon abhalten alles in mich aufzusaugen und zu genießen. Kein Geruch und kein Weihnachtslied konnte mir überdrüssig werden. Und wenn die Zeit dann vorbei war, kam sie mir vor wie ein rauschender Traum, der zu turbulent und schön war, um wahr zu sein. 

Doch was ist eigentlich jetzt noch Weihnachten, wo man erwachsen ist und nicht mehr die Eisprinzessin des Dezembers sein kann? Auch wenn ich nicht so tun möchte, als wären mir die Geschenke als Kind nicht wichtig gewesen, so sind sie nicht das elementare Puzzleteil, was im Laufe der Zeit zu kurz gekommen sein könnte. Denn ja, so viel wie Dankbarkeit und Idealismus in Weihnachtsfilmen gelehrt wird, kommt man wirklich nicht umhin, sich schon früh des wahren Zaubers um Weihnachten bewusst zu werden. Aber meine kindliche Erkenntnis diesbezüglich ging dahin, dass mit der Besonderheit dieser Jahreszeit die, ich nenne sie mal, "Gnädigkeit" der Leute gemeint ist. Der Stress und die schlechte Laune scheinen abzuprallen, Eltern nehmen sich mehr Zeit, zerstrittene reißen sich am Riemen und Menschen tun plötzlich Dinge, die sie normalerweise nicht tun würden. 
Als Kind hatte ich das Gefühl, dass die Weihnachtszeit den Lauf der Dinge bis ins unerträgliche verlangsamt hat. Je mehr man auf die Ereignisse hingefiebert hat, umso mehr Zeit ließen sie sich, um in Erscheinung zu treten. Heute jedoch schaue ich auf den Kalender und es ist, als würden mir die Schuppen von den Augen fallen. Es ist beinahe schon mitte Dezember, mein Geburtstag ist bereits nächste Woche und Weihnachten schon kurz danach. Vor Lauter Panik renne ich zum Sekundenzeiger und versuche ihn festzuhalten, zerre mit aller Kraft an ihm, doch er lässt sich nicht beirren und schlägt laut und kräftig die nächste Sekunde an. Neulich habe ich mich dabei erwischt, wie ich mich dazu gezwungen habe, Weihnachtsmusik zu hören, um so richtig in festliche Stimmung zu kommen. Auch die Kerze mit dem Duft gebrannter Mandeln wollte einfach nicht helfen. 

Also, nun, was ist es, das inzwischen anders geworden ist? Der Tannenbaum duftet genauso gut wie früher, das Keksebacken mit Freunden macht immernoch viel Spaß und die Weihnachtslieder bohren sich nach wie vor, wie Würmer in mein Ohr. Neben dem Studium habe ich viel mit Kindern zu tun. Keines von ihnen glaubt noch an den Weihnachtsmann, doch haben sie ihre Vorfreude nicht verloren. 
Ich glaube inzwischen ist mir bewusst geworden, dass es unsere Eltern sind, die die Weihnachtszeit zu dem gemacht haben, was sie war. Ein jedes Kind wird zur Weihnachtszeit zu einem Winterkind, zum König und zur Königin dieser Zeit. Alles drehte sich um uns, was wir bastelten, was wir uns wünschten und was wir aufführten. Doch wenn wir erwachsen werden, verlieren wir ein wenig diesen Status. Mit jedem Jahr, das vergeht, werden wir unsichtbarer und es ist an uns, den Kindern der nächsten Generation ein ähnliches Gefühl zu geben und ihnen diesen Zauber der Wichtigkeit zu ermöglichen.

Ich persönlich habe noch keine Kinder und sehe mich damit in einer Art Zwischenphase. Verzaubert bin ich nicht mehr, aber den Zauberstab selber schwingen kann ich auch noch nicht. Was tut man in diesem Fall? Man ist eben ein paar Jahre verwirrt und versucht sich das beste aus beiden Welten zusammen zu klauben. 

Wie fühlt sich Weihnachten für dich inzwischen an?

Kommentare:

SixSights hat gesagt…

Ich hab auch im Dezember Geburtstag, allerdings gleich am Anfang. Und ich muss sagen ich fand's als Kind schon doof :D Immer ein ganzes Jahr auf Geschenke warten und keine coolen Gartenpartys wie die anderen Kinder. Ich erinnere mich noch genau, wie meine Mutter mich mit den andern Kindern raus zum Spielen geschickt hat und ich nur frierend daneben stand :D
Jetzt wo ich nicht mehr zu Hause wohne, freue ich mich einfach darauf ein paar schöne Tage mit der Familie zu verbringen :)

Sari hat gesagt…

Es ist schwierig. Wie du sagst: Meinen eigenen Kindern versuche ich die Weihnachtszeit so schön wie möglich zu gestalten und ihnen den Zauber dieser Zeit zu vermitteln. Aber man selber bekommt davon nicht mehr so viel, wie früher. Alles geschieht für die Kinder. Ich versuche immer mit ihnen gemeinsam alles zu genießen und zu erleben, denn wenn ich es nicht tue, wer tut es dann? In unserem speziellen Fall legen die Wenigsten ja tatsächlich noch wert darauf, manche flüchten sogar und das finde ich schade.
Für mich gehört das alles nach wie vor dazu und ich will mir das auch nicht wegnehmen lassen. Weiterhin im Dezember wie ein kleines Kind sein, dass sich auf den Weihnachtsmann freut. Leicht gemacht wird es einem als Erwachsener nicht mehr. Die Zeit holt einen ein. Verpflichtungen usw....
Ich trauere dem schon sehr nach ;)
Aber glaube mir, mit Kindern kommt alles irgendwie wieder und dafür bin ich dankbar.

ÜberlebensKUNST hat gesagt…

@SixSights:
Ohja, das mit den Geschenken stimmt tatsächlich. Zumal man immer hört: "Das ist dann für Geburtstag und Weihnachten zusammen." Ich dem Monat wird so viel Geld ausgegeben, dass für einige der Geburtstag dann lästig kommt. Aber dass ich im Winter Geburtstag hatte, fand ich glaub ich gar nicht so schlimm. Obwohl, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, waren wir eigentlich meistens auch "nur" im Kino.

@Sari:
Ja, wer Wert darauf legt muss echt ackern, um sich das zu behalten. Aber da bin ich so froh, dass es Musik und Gerüche gibt, die für die Zeit typisch sind. Wenn man ein sehr assoziatives Erinnerungsvermögen hat, helfen diese Dinge, die für ein paar Minuten zurückversetzt zu fühlen. Auf diese Momente baue ich dann immer :)

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