Samstag, 13. August 2016

Kindheitserinnerungen #2// Kleine Sini und der Grinch// Parade





Anfang des Jahres habe ich hier bei der Blogparade "Kindheitserinnerungen" von MamasKind mitgemacht und bekam anschließend überraschend viele Mails von alten Schulfreunden, die sich beispielsweise wiedererkannt haben oder die sich durch den Beitrag an andere Ereignisse erinnert fühlten.
Auch heute möchte ich noch einmal eine Reise in die Vergangenheit wagen und ein paar prägsame Erinnerungen heraus kramen.
Fühl dich bitte unbedingt angesprochen auch mitzumachen und uns entweder in den Kommentaren oder eben per Kontaktformular ein paar witzige Erinnerungen aus deiner Kindheit mitzuteilen. Die Beiträge der Blogparade habe ich wirklich mit großem Eifer gelesen, obwohl ich teilweise die Personen ja gar nicht wirklich kannte.


Der Grinch (alias Jim Carrey) und ich hatten eine sehr schwierige Beziehung zueinander. Damals haben meine Familie und ich den Trailer zu dem Weihnachtsfilm im Kino gesehen und das fiese Grinsen, das mir da auf Großbildleinwand entgegen kam, hat mir so eine Angst gemacht, dass ich wochenlang Albträume hatte. Einmal habe ich mich sogar geweigert ins Bett zu gehen, weil eine Fernsehzeitung mit einem Bild vom grünen Übel auf der Zimmerhälfte meiner Schwester lag. Ich weiß noch, dass ich mal bei meiner Omi geschlafen habe und von der Straße her wurde eine Art Lichtstreifen an die Decke geworfen, der aussah wie ein Spalt. Meine Paranoia ging so weit, dass ich mir einredete, es sei ein Schlitz über mir, durch den der Grinch ins Zimmer krabbeln und mich ärgern konnte. Wie fast alles in meinem Leben änderte sich diese Abneigung jedoch um 360 Grad. Komischerweise mag ich ganz oft Dinge extrem gerne, die ich zuvor abscheulich fand. Das ist tatsächlich noch bis heute so und die Richtung dieser Gefühle wandelt sich manchmal schneller, als eine Gruppe pubertierender Jungs im Stimmbruch. Ich weiß nicht mehr, ab wann es den Wendepunkt gab, aber noch bevor der Film in die Kinos kam, vergötterte ich die Figur des Grinch. Er wirkte wie etwas komplett missverstandenes und ich wollte unbedingt die Cindy auf seinem Geschenkewagen sein, die sein Herz in Ordnung bringt. So kam es auch, dass ich Weihnachten 2000 des öfteren mit abenteuerlichen Lou-Who-Frisuren abgelichtet worden bin, die man sich wie folgt vorstellen kann. Danke an dieser Stelle an meine Mama, die geduldig meine Zöpfe hat flechten müssen.


Wie ich ja im letzten Beitrag schon erwähnt hatte, sind wir sehr oft an den Gardasee gefahren. Immer der gleiche Ort, immer ein ähnlicher Ablauf. Dazu gehörte auch ein bestimmtes Restaurant, welches damals La Strambata hieß (heute Pizzeria Bardolino) und in dem wir beinahe täglich zu Abend gegessen haben. Das Strambata zeichnet sich vorrangig durch die riesige Steinofenpizza aus, aber auch die Kellnerinnen folgten dort einem bestimmten Muster. Sie alle waren sehr hübsch, oftmals junge Ausländerinnen, die beim Kellnern Italienisch lernen wollten und sie alle trugen kurze Röcke und eine Servierschürze darüber. Ich habe diese Frauen damals außerordentlich bewundert, denn immer wieder konnten wir mitverfolgen, wie sie in Woche eins unseres Aufenthaltes nur holprig mit uns sprechen konnten und kurz vor der Abreise, in gefühlt fließendem Italienisch vor sich hin plapperten. Außerdem gingen sie alle ihrem Traum des Auswanderns nach, was insgeheim schon von kleinauf mein aller größter Wunsch war. Ich beschloss damals, dass ich es eines Tages ihnen nachtuen und dort arbeiten würde. Bis heute ist dieser Wunsch noch offen, aber ich würde mir das nie verzeihen, wenn ich nicht irgendwann mal für ein paar Wochen dort zum Sprache lernen arbeiten würde. Jedenfalls waren meine Eltern, trotz der Verständnisschwierigkeiten, sehr gut mit der Besitzerin des Restaurants befreundet. Naja jedenfalls soweit ich das beurteilen kann, denn Restaurantbesitzer freunden sich ja sehr häufig oberflächlich mit Stammgästen an. Die Besitzerin Roberta, ein zartes Persönchen mit strengem Gesichtsausdruck, schien mir irgendwie genug zu vertrauen, jedenfalls ließ sie mich, ein Kind von acht Jahren ohne Italienischkenntnisse, sogar Bestellungen aufnehmen und ein paar Teller tragen. Als ich schließlich eine eigene Schürze bekam, war ich im Himmel. Diese Schürze besitze ich noch heute und sie riecht exakt genauso wie damals.


Fast zehn Jahre habe ich als Kind Ballett getanzt. Nicht besonders professionell, denke ich, aber wir wurden teilweise für Aufträge gebucht und haben dafür sogar Geld bekommen, welches unsere Lehrerin dann für Kostüme verwenden konnte. Obwohl wir einmal im ICC Berlin vor weltweit wichtigen Politikern aufgetreten sind, kann ich mich daran nicht mehr so gut erinnern. Viel mehr hat sich ein Erlebnis eingeprägt, als unsere Gruppe für eine Art Benefitsgala gebucht wurde, die live im Fernsehn übertragen werden sollte. Wie man sich vorstellen kann, waren wir alle ganz übel aufgeregt und unsere Lehrerin war alles andere als hilfreich, denn sie hatte uns deutlich gemacht, dass wir es auf keinen Fall versemmeln durften. Als kleine weiße Schneeflocken in Tüll und Glitzer, tippelten wir damals auf die Tanzfläche und vollführten einen Tanz, den wir schon hunderte Male aufgeführt hatten, weshalb wir ihn eigentlich auch ganz gut beherrschten. Er enthielt allerdings eine Stelle, in der das Timing ganz besonders wichtig war, da wir uns im Kreis drehen und wie eine Kette die Hände in einander greifen mussten. Findet auch nur eine Person, den Anschluss nicht, ist sie ausgeschlossen und kann in diese "Kette" nicht mehr eingegliedert werden. Drei Mal darfst du raten was passiert ist. Mein Gehirn war wie weggeblasen, ich verpasste das erste Mal überhaupt den Anschluss und stand nun völlig allein in einer traube einheitlich wirbelnder Schneeflöckchen. Lustigerweise habe ich nur eine Sekunde gezögert und anschließend einfach in der Mitte des Kreises ein mega Solo hingelegt. Was blieb mir anderes übrig? Wie bestellt und nicht abgeholt in der Mitte rumstehen oder so tun, als sei ich der Star der Show. Meine Lehrerin war zum Glück überhaupt nicht böse, denn es sah tatsächlich so aus, als sei meine Einlage ein Teil der Choreo gewesen. Trotzdem merkt man daran mal wieder, dass Kinder noch viel weniger verkopft sind. Würde mir das heute passieren, würde ich vermutlich total in Panik geraten und hilflos wie ein Pinguin im Kreis watscheln, haha.


So, jetzt sind wir uns wieder ein Stückchen näher gekommen und noch mehr peinliche Bilder von mir ans Tageslicht gerückt. Und jetzt bist du dran! Fühl dich ruhig angesprochen und verlinke doch deinen Beitrag hier oder berichte von deinen Ursprüngen. Wenn du noch andere Geschichten lesen willst, dann schau doch auch mal bei Mamaskind vorbei.

Kommentare:

Sari hat gesagt…

Und ich kann mich an all das so verdammt gut erinnern.
Wie ich mit dir immer zum Tanzen gefahren bin und draußen gewartet habe zum Beispiel.

Oder an Deine Reaktion, als ich Dir sagte, dass der Held für dich den Film organisieren konnte ^^ Eines seiner ultimativen Highlights und gleichzeitig Verzweiflung pur, weil er nicht wusste, warum du so furchtbar weinst *lach*.

Und dass du in dem Restaurant auch immer gerne Paella (jetzt frag mich nicht, wie man das schreibt) gegessen hast und ich das ja so gar nicht mag ^^

ÜberlebensKUNST hat gesagt…

Hihi, ja das mit dem Film war lustig..noch auf einer vom Tv aufgenommenen VHS Kassette :D

Paella habe ich immer in Umbrien in dem Restaurant gegessen, wo es gefühlt nur Reisgerichte gab. Die große im Strambata haben Papa und ich uns nur ein Mal geteilt, weil sie riesig und furchtbar teuer war. Aber da gibts noch Bilder von, deshalb ist das vielleicht noch so präsent ^^

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