Mittwoch, 24. Februar 2016

Die Welt ist doch nicht immer böse // Gedankengänge // Blogleben

Kennst du diese Tage, an denen dir wirklich alles und jeder verkorkst, ungehobelt und bösartig vorkommt?
Es fängt an mit belastenden Nachrichten über Weltgeschehnisse bei denen du nur so denkst: "Warum geschieht das? Warum ist die Welt so böse?"

Dann, als du beim Bäcker deinen morgendlichen Kaffee holen willst: "Geht´s nicht mal nen bisschen schneller?", faucht da ein Mann die Kassiererin an, um sich dann umzudrehen und das selbe bei seiner Frau zu tun, die noch mit den Croissants jongliert.

Die Bahn spiegelt ein mies gelauntes Gesicht nach dem anderen wieder. Blicke der Verachtung und des Unbehagens. Irgendjemand in dieser Bahn hier ist doch hundert pro Schuld, dass ich nicht Spitzenanwalt geworden bin, denken sie sich. Du bittest einen Mann für dich Platz zu machen und er grunzt nur verächtlich, als würdest du ihm sonst was abverlangen. Warum ist die Welt so unfreundlich, fragst du dich.

In der Uni läufst du einen Gang entlang und bleibst kurz stehen, um nochmal schnell deine Mails auf dem Handy zu checken. Lang genug, um ein paar Mädchen zu belauschen, die in übelsten Tönen über ein Mädchen herziehen, dass sich wohl am Wochenende ein paar Jungs zu viel angelacht hat. Neid spricht aus ihren Stimmen und als jenes Mädchen sich dann zu ihnen gesellt, ist jegliche Form von Ehrlichkeit verloren gegangen. Naiv , wie sie in dem Moment ist und so voller Hoffnung akzeptiert zu werden, glaubt sie in deren Mitte willkommen zu sein. Warum ist die Welt so verlogen, fragst du dich.

In der Mittagspause bist du in der Mensa. Würde man von oben auf sie herabblicken, würde man die vielen kleinen Teilchen sehen, die umhertummeln und schließlich bei der verlockenden Wärme der Essensausgabe kummulieren.
Du glaubst du bist das kleinste Teilchen unter ihnen, verwirrt und geplettet von der Auswahl blickst du dich um. Du fasst einen Entschluss und läufst zielstrebig, mit dem Portemonaie in der Hand, auf einen Augabepunkt zu, doch dann.. PLONK
Dein gesamtes Kleingeld, alles zwei bis zehn Cent Stücke, kullern über den Boden und kommen in einem Radius zum Stillstand, in dem du einen Flickflack hättest machen können, vorrausgesetzt dir wäre danach. Um dich herum dreht sich alles. Stechende Blicke ritzen sich in dein Bewusstsein. Blicke des Nichtssagens, des Desinteresses und sogar der Häme: "Ha! Heute hat es dich erwischt und nicht mich!" Niemand hilft dir, aber alle schauen zu. Du sitzt auf dem Boden und sammest die Scherben deines Selbstbewusstseins ein, in dem Radius, in dem du einen Flickflack hättest machen können. Warum ist die Welt so egoistisch, fragst du dich.

Kennst du diese Tage, an denen dir wirklich alles und jeder verkorkst, ungehobelt und bösartig vorkommt? An denen du nicht verstehst, was schief gelaufen ist? An denen du dich danach sehnst, dass Nächstenliebe das oberste Gebot der Menschheit wäre?

Ich hatte bestimmt schon viele dieser Tage. Doch einmal kam ich Heim und es klingelte an unserer Tür. "Entschuldigung, ich will gar nicht lange stören, aber ihr Freund hat uns neulich geholfen, als meine Tochter nicht in die Wohnung kam. Ich wollte mich dafür bedanken und habe deshalb für ihn Essen gekocht. Alles vegane Zutaten, hoffentlich schmeckt es ihm."
Und als die Tür zuschlug, blickte ich auf das hübsch drapierte Essen auf dem gold verzierten Teller und ich war beruhigt.
Die Welt ist doch nicht immer böse.


Kennst du diese Tage oder was nervt dich am meisten am Verhalten fremder Menschen?


Kommentare:

Sari hat gesagt…

Allerdings und sie fühlen sich so endlos lang und verzweifelt an, manchmal hat man gar das Gefühl,dass sie nie enden wollen...
Aber man braucht das, das lernt man mit der Zeit, damit man die schönen Phasen mehr schätzen lernt, die von vielen dann doch wieder als viel zu selbstverständlich angesehen werden.

Sinah Sidonie Überlebenskunst hat gesagt…

Ich habe auch immer das Gefühl, dass auf einen besonders schlechten Tag ein besonders guter folgt. Keine Ahnung wieso, aber vielleicht liegt es ja an dem, was du bereits angesprochen hast, @Sari. Nachdem einem der Tag so trist vorkam, scheint der nächste umso heller. Zumindest hoffe ich, dass es bei euch anderen auch so ist :)

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