Dienstag, 5. Januar 2016

"Briefe von Niemandem" // Der Zauber von Hogwarts

Mein Freund und ich waren heute kurz im Einkaufszentrum, um einen neuen Küchenkalender zu besorgen. Auf dem Weg zur Kasse entdeckten wir dann eine brandneue und großzügig illustrierte Version von "Harry Potter und der Stein der Weisen". Die Zeichnungen und Malerein darin sind so liebevoll gestaltet und erinnern mich an die Zeit, in der es die Filme noch nicht gab und man sich die Charaktere noch ganz unbeeinflusst selbst vorstellen konnte. Da wir bereits zwei Mal die Bücher 1-7 zu Hause haben und einige Teile sogar auf Englisch besitzen, war es natürlich völlig klar *hust*, dass dieses Prachtexemplar auch noch mit musste und zwar, Achtung Schnulzalarm, damit meine Kinder es irgendwann mal lesen können. Das klingt jetzt sicherlich ziemlich kitschig und in Anbetracht dessen, dass ich in den nächsten 10 Jahren nicht vor habe schwanger zu werden, ein wenig unlogisch. 
Logik ist allerdings nicht meine Stärke und jetzt sitze ich hier und schwelge in Erinnerungen, was bedeutet, dass du dich wieder auf ein wenig Gefühlslava gefasst machen musst. Es sei denn du bist grad vor lauter Panik vom Stuhl gefallen und hast hastig oben rechts das kleine X gedrückt, dann hat sich die Sache erledigt, hihi.
Seit ich die erste Seite eines Harry Potter Romans gelesen habe, was ungefähr mit 6 oder 7 Jahren war, bin ich Hogwarts und seiner fantastischen Welt verfallen. Ja, hier hast du es schwarz auf weiß: Ich bin 23 Jahre alt und mein Lieblingsbuch ist Harry Potter!  Die Liebe zu diesen Büchern verbindet massenhaft Kinder der 90er und auch viele ihrer Eltern und Geschwister. Immer wieder unterhalte ich mich mit Menschen, deren erstes selbst gelesendes Buch ein Harry Potter Band war, weil die Eltern keine Zeit oder Lust hatten weiter vor zu lesen. Vor Release eines neuen Buches haben wir, in unsere Zauberermontur gehüllt, vor den Bücherläden campiert, um dann um Mitternacht den Laden zu stürmen und schon während des Anstehens an der langen Schlange die ersten Seiten zu verschlingen. Ich kann mich an eine Szene erinnern, ich war ja wie gesagt noch recht jung, als wir den Buchladen verlassen wollten und überall auf der Straße die Leute auf dem Boden gesessen und gelesen haben, weil sie nicht mal den Heimweg abwarten konnten. Ein ziemlicher Kontrast zu den Vorurteilen, die besagen, dass unsere Generation als lesefaul gilt. Im Wald habe ich mit jedem Ast, der mir in die Fittiche kam, "Wingardium Leviosa" geübt und mein Vater hat mir allen ernstes dabei geholfen eine Besensammlung( !!!) anzuhorten. Ich hatte eine Wahrsagerkugel, einen sprechenden Hut, dutzende an Eulenkuscheltieren und Zauberbücher, die ich durch die Wohnung getragen habe. Die Zeit des Wartens habe ich damit zu gebracht mir Stoff für einen Roman auszudenken und Bilder von den Charakteren zu malen. Allerdings muss ich zugeben, dass es in besagtem Roman auch um eine Zauberschülerin namens Salasira Slisadora geht, die eine Zauberschule besucht, auf der man in verschiedene Häuser eingeteilt wird, weshalb ich davon ausgehe, dass dieses etwas auffällige Plagiat einer neun jährigen niemals ein Hit geworden wäre, haha. 
Ich weiß nicht, ob das bei vielen so war und ob eine Art Größenwahn in dem Alter üblich ist, aber ich war mir hundertprozentig sicher, dass ich anders war als die anderen und irgendwann auserwählt werden würde eine Zauberin zu sein. An den Weihnachtsmann habe ich nie wirklich geglaubt, aber an einen Brief aus Hogwarts, der an meinem elfen Geburtstag eintreffen würde, schon. Ich sah alles bereits ganz genau vor mir: Ich wollte einen der Weasley Zwillinge heiraten, B.ELFE.R beitreten und meine Kinder zum Hogwartsexpress bringen. Ich hatte mich für eine Karriere als Zaubertrankmeisterin entschieden, wobei ich mir gut vorstellen konnte als Lehrerin in Hogwarts anzufangen. Klingt doch eigentlich nach einem wasserdichten Plan. Als ich letztendlich elf wurde, geschah was geschehen musste. Natürlich kam kein Brief aus Hogwarts und auch kein Hagrid, der mich mitnehmen wollte. Ich wusste, dass Dumbledore immer einen Weg finden würde den Brief zu zu stellen und so musste ich mir eingestehen, dass es kein Irrtum war. Kurz darauf fing ich aber auch schon an mich für Jungs und Schminke zu interessieren, weshalb für kurze Zeit der Hype zum Stillstand kam. Tatsächlich galt es zu Beginn der Oberschule als "uncool" Harry Potter zu mögen, da es vorrangig in der Kinderabteilung zu finden war. Wer cool sein wollte, las am besten gar nicht und wenn es dann doch sein musste, ein Buch über Rap. Ein Glück habe ich von "Coolness-Definitionen" nie sonderlich viel gehalten. Obwohl ich seitdem die Hoffnung aufgegeben hatte ein Teil meiner Lieblingswelt zu werden, ist es Rowling tatsächlich gelungen diese umgekehrt zu einem Teil von meiner Welt zu machen. Ich versuche gerade mich an all die Male zu erinnern, die ich die Bücher gelesen habe und die Beweggründe dahinter zu entschlüsseln. Da sind Trennungen, Verluste, Jobwechsel, Langeweile, Regentage und weiß ich nicht was. Egal welcher Teil meines Lebens weggebrochen ist, dieser tut es wohl nie und schafft es für einen Moment das Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Wenn du dich gut mit den Büchern auskennst ist dir bestimmt auch aufgefallen, dass dieser Artikel nach dem dritten Kapitel des ersten Bandes benannt ist. Es ist das Kapitel, in dem das Haus der Dursleys, dank der vielen Hogwartsbriefzustellungen, förmlich aus allen Nähten platzt. Ich musste wirklich schmunzeln bei dem Gedanken daran, dass Harry hunderte von Briefen bekam, mit denen er nicht rechnete und viele kleine Kinder, die fest davon überzeugt waren, im realen Leben keinen erhielten. "Briefe von Niemandem" ist das, was für mich diese Ära und diese Community irgendwie beschreibt.
Harry Potter
Insgesamt, so schätze ich, habe ich jedes Buch so um die 15-20 Mal gelesen und das beste ist tatsächlich, dass mein Partner genau so einen Bezug zu dieser Welt hat wie ich und mich dahin gehend gut versteht. Das ging sogar schon so weit, dass wir beide, ohne etwas zu ahnen, einander einen Zauberstab geschenkt haben. Manchmal, wenn die Welt ganz leise wird, liest er mir mit seiner Männerbrummstimme und bei Kerzenlicht daraus vor, während ich mich einkuschel und alles um mich herum vergesse. Die Rechnungen, Hausarbeiten und alles womit Erwachsene sich sonst noch rumplagen müssen. Dann bin ich wieder klein, naiv, heimelig und völlig verzaubert. Ich weiß auch nicht, aber ich habe das Gefühl, dass gerade wenn man langsam älter wird und das Leben sich zu verändern beginnt, tut es gut eine Konstante zu haben, die einen daran erinnert, wer man eigentlich einmal war, bevor all die Einflüsse und Verbiegungen auf einen nieder prasselten.
Vielleicht habe ich eines Tages Glück und meine Würmchen finden ein Buch, das ihnen auch eine Heimat ist. In dem sie erste Vorbilder finden und Lektionen lernen können.
Und wer weiß, vielleicht kommt dabei ja mein, bis dahin völlig zerfallendes, illustriertes Buch zum Einsatz.

Geht es dir mit etwas genauso wie mir mit den Büchern?  
Bleib kindlich!

Kommentare:

Lena Lämmert hat gesagt…

Hallo Sinah,
ich habe das illustrierte Buch zu Weihnachten bekommen, und bin ganz verliebt! Zusätzlich habe ich noch die drei Zusatzbücher "Die Märchen von Beedle dem Barden", "Quidditch im Wandel der Zeiten" und "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" geschenkt bekommen - die hast du sicher auch schon gelesen oder? Als wäre das nicht schon genug ist mir im Hollandurlaub im Primark ein Harry Potter TShirt über den Weg und direkt in meinen Kleiderschrank gelaufen. Ich kann dich also sehr gut verstehen :) Das erste Buch habe ich mit 7 oder 8 gelesen, von da an gab es keinen Halt mehr. Jetzt bin ich 21 und habe die Bücher ebenfalls aller mehrmals verschlungen, die Filme kann ich auch schon ganz gut mitsprechen und ich bin immer noch so begeistert wie beim ersten Mal!
Viel Spaß noch mit dem Buch!
Liebe Grüße, Lena
achja: toller Blog! Schaue jetzt bestimmt öfter mal vorbei :)

Sari hat gesagt…

Ich hab das auch schon entdeckt, hatte aber noch keine Gelegenheit rein zu schauen. Ich bin ja dochs eeehr neugierig darauf ^^

Sinah Sidonie Überlebenskunst hat gesagt…

Liebe Lena,
Danke für deinen lieben Kommentar!
Dann gehörst du eindeutig auch in die Harry Potter Generation :)
Es ist wirklich cool was es so für tolle Sachen gibt. Ist das ein allgemeines Harry Potter Shirt oder so richtig eines, das einem der Häuser zugeordet ist? Ich hab mich mal auf Pottermore einem Haus zuordnen lassen. Dabei kam ich nach Gryffindor, mein Freund nach Ravenclaw und sein Kumpel nach Hufflepuff. Irgendwann wird also mal eine Montur fällig, haha.

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