Montag, 28. Dezember 2015

Das Pflanzenfresserproblem // Ein Résumé zum Einjährigen // Veggie // fleischlos


Jedes Jahr, seit inzwischen 5 Jahren, feiern wir im Freundeskreis ein gemütliches Weihnachtsbeisammensein. Mal ist dieses ganz groß, mal relativ intim. Es wird gemampft, Spiele werden gespielt und Schrott gewichtelt. Die meisten von uns befinden sich noch in der Ausbildung oder im Studium, weshalb wir immer versuchen das Essen so günstig wie möglich zu halten. Seit zwei Weihnachten jedoch gönnen wir uns eine richtig teure, quasi "tot gestreichelte", Gans. Gerade als junger Erwachsener greift man so schnell zu Fertigfraß und wir wollen wenigstens ein Mal im Jahr etwas zu uns nehmen, von dem wir ganz genau wissen woher es kommt. Letztes Jahr waren wir rund 15 Leute, die an einer 5 kg Gans genagt haben und jeder konnte nur einen winzigen Fetzen abbekommen. Aber da es so etwas besonderes war, kann ich mich an jeden Bissen erinnern. Damals beschloss ich nur noch ganz selten Fleisch zu essen und wenn dann aus der bestmöglichen Tierhaltung. Am Ende kam es jedoch ganz anders und ich habe seit dem Tag kein einziges Stück mehr angerührt. 

Ehrlich gesagt war das keine bewusste Entscheidung. Ich wachte eines morgens auf und konnte das Zeug einfach nicht mehr zu mir nehmen. Zunächst habe ich noch versucht die Leute mit Ausreden auf Abstand zu halten wie "Mir ist nicht danach" oder "Ich esse nur Fleisch aus XYZ-Haltung", damit sie mich mit meinem Lebensstil in Ruhe lassen. Tatsächlich verging aber kein Essen ohne Moralpredigt über meine nun leidende Gesundheit und darüber, dass der Mensch sicherlich nicht so schlau geworden wäre, hätte er kein Fleisch gegessen. Der Witz ist, dass die meisten Menschen Veganern und Vegetariern die Böse Absicht in den Mund legen, dass sie nun fortan immer rumnerven und einem sein Essen madig machen wollen. Tatsächlich habe ich durchweg die umgekehrte Erfahrung gemacht und das so oft, dass ich irgendwann nur genervt zurück gab, dass ich nun all jene kritisieren werde, die mir erzählen, dass sie keinen Rosenkohl mögen. Ernsthaft, würde ich behaupten, dass mir Fleisch nicht schmeckt, würde es niemanden stören, aber diese pflanzenfressenden Moralaposteln gehören für ihren sektenähnlichen Irrsinn ewiglich bestraft. Würde ich jedes Mal einen Euro bekommen, wenn mich jemand fragt was um Himmels Willen ich denn jetzt noch essen solle, könnte ich mir davon einen riesen Vorrat an teurem Fleischersatz zulegen. Den würde ich dann verzehren und mir dabei von irgendeiner neunmalklugen Person eine Statistik vorlesen lassen, die belegt, dass ich der Umwelt und den Tieren kein Stück helfe, mir bald die Haare ausfallen werden und ich an chronischem Phosphormangel dahin gerafft werde. Auch scheinen die Leute immer wieder aufs Neue darüber verwundert zu sein, dass ich trotz einem Jahr Fleischverzicht nicht ein Stück wie Twiggy aussehe. Zugegeben, natürlich übertreibe ich hier mit meinen Beschreibungen maßlos, aber ich bin mir sicher, dass Viele sich mit ähnlichen Reaktionen herumplagen müssen. 
Ich kann nur immer wieder unterstreichen, dass jeder Mensch für sich selber wissen muss, was er seinem Körper zuführen will und was nicht und solange die Gesundheit unter dem Konsum oder Nichtkonsum von was-auch-immer nicht leidet, sollte das auch so bleiben. Falls du also ein leidenschaftlicher Fleischesser bist, dann steh dazu und fühl dich bitte nicht jedes Mal angegriffen, wenn dir ein Pflanzenfresser über den Weg läuft. Solltest du allerdings doch in Erwägung ziehen eine fleischlose Ernährung auszuprobieren, dann informier dich einfach vernünftig, damit du Besserwissern gekonnt in die Parade fahren kannst. 
Mein Freund isst auch ganz normal Fleisch, ist aber auch sehr offen für die fleischlose und sogar vegane Küche und lebt unter dem Motto "Jede Entscheidung gegen ein tierisches Produkt ist eine gute Entscheidung und wenn es dann doch mal Schnitzel gibt, dann wird´s erst recht genossen".

Ich finde es sehr schade, dass dieses Thema so oft zu einem Problem ausgefahren wird und bin unheimlich dankbar, dass ich nun auf ein tolles erstes fleischloses Jahr mit leckeren Gerichten und tollen Kochexperimenten und Erfahrungen zurück blicken darf. Es war und ist umheimlich schön zu beobachten, dass plötzlich auch Familienmitglieder und Bekannte anfangen ihren Fleischkonsum ein bisschen zu hinterfragen, sich mit großem Eifer an neuen Rezepten auszutoben und an spannenden Diskussionen zum Thema Tierschutz teilzunehmen.
Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass noch weitere fleischfreie Jahre folgen, denn ich fühle mich damit mehr als wohl.


Bleib dir auf jeden Fall selbst treu und treffe deine Entscheidungen eigenständig und durchdacht. Dann weißt du schon selbst was gut für dich ist und wie du leben willst. 

Kommentare:

Sari hat gesagt…

Ich hab da echt großen Respekt vor, ich esse so gerne Flisch...mir würde das sehr schwer fallen obwohl es wirklich viele Alternativen inzwischen gibt

Sinah Sidonie Überlebenskunst hat gesagt…

Ich glaube es geht gar nicht darum eine Alternative zu Fleisch zu finden, sondern zu merken, dass ein Gericht Fleisch nicht als Kompletierung braucht! Wenn der Rest extrem lecker und vollmundig ist, fällt das fehlende Fleisch gar nicht auf und es bedarf einfach ein bisschen Nachforschung und Ausprobierzeit, um zu merken, dass die Rezepte immernoch toll sind, auch ohne Zusatz. Sahne, Gemüse und alles andere fallen ja nicht weg :D

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