Samstag, 15. August 2015

Berufsfindung #6 Ausbildung Erzieherin



 Name:  Sari

1)Wie bist du auf diesen Berufsweg gekommen? Gab es einen Auslöser für deine Wahl?

Ich muss gestehen, es war eigentlich nie mein Ziel Erzieherin zu werden. Ich hatte eigentlich vollkommen andere Pläne, wollte gerne kreativ arbeiten. Am Liebsten irgendwie in einem zeichnerischen Bereich. Mein Plan ging in Richtung Grafikdesign und somit kam für mich zum Beispiel Gestaltungstechnische Assistentin in Frage, aber da ich mein Abitur damals abgebrochen habe, konnte ich die Anforderungen leider nicht erfüllen. Letztendlich gab mir doch tatsächlich das Jobcenter den richtigen Stubs  in die richtige Richtung. Gemeinsam mit meiner Sachbearbeiterin suchte ich nach Jobs mit kreativen Inhalt. Floristin, Konditorin usw…das waren jedoch Sachen, die mich nicht sonderlich ansprachen. Als sie dann Erzieherin vorschlug, musste ich an mein Praktikum in der 9. Klasse denken, das ich in einer Vorschule gemacht hatte und erinnerte mich daran, dass ich da sehr viel Spaß hatte. Ich suchte also mit ihr verschiedene Schulen raus und bewarb mich.


2)Wie hast du dir die Ausbildung vorgestellt, welche Erwartungen hattest du?

Ich weiß ehrlich gesagt nicht so richtig, was ich erwartet hatte. Methoden, um Kinder zu erziehen, Konfliktlösungen, Verwaltungsarbeit. Aber vor allem war alles überwiegend ungewiss für mich, da es ja so nie geplant war. Ich glaube, ich wusste damals nicht so richtig, was mich erwarten würde, sondern war einfach nur froh eine Lösung gefunden zu haben.


3)Welche Voraussetzungen waren nötig (Eignungstest, Praktika, Bewerbungsmappe, Vorstellungsgespräch)?

Das war von Schule zu Schule unterschiedlich. Ich brauchte damals einen Realschulabschluss, der musste es auf jeden Fall sein. Und man startete dann in einem Berufsvorbereitenden Jahr, das der 11. Klasse einer Oberschule gleichte. Heute braucht man Abitur für die Ausbildung oder man muss nachweisen können, dass man schon min. 3 Monate einen sozialen Dienst geleistet hat, der der Ausbildung nahe kommt. Soweit meine Informationen, aber da sollte man sich besser nochmal informieren. Bei mir war das damals wie gesagt anders (ist ja nun auch schon gut 10 Jahre her). Zwei Schulen nahmen mich aufgrund meiner Bewerbung an, die eben aus einem regulären Bewerbungsschreiben und einem Lebenslauf bestand. Eine Schule jedoch lud zu verschiedenen Etappen ein. Man musste zu einem Bewerbungsgespräch und im Anschluss zu einem Deutschtest.

4)Wo machst du deine Ausbildung? Betrieb oder Schule? Hast du dich explizit für diese Schule/den Betrieb entschieden? Welche Vorteile/Nachteile bietet deine Schule/dein Betrieb gegenüber anderen?
Die Ausbildung zur Ezieherin macht man schulisch und man macht in jedem Schuljahr ein längeres Praktikum in einer Einrichtung seiner Wahl. Im ersten Jahr 3 Monate Kita, im 2. Jahr 3 Monate Grundschulalter und im 3. Jahr 5 Monate eine Einrichtung nach Wahl, wo man vielleicht schon seinen Schwerpunkt festlegen kann. 


5)Ist deine Ausbildung kostenpflichtig oder verdienst du Geld?
Es gibt staatliche Schulen und private. Die meisten sind leider privat und kosten somit monatlich zwischen 50 und 100 Euro plus Materialaufwand, den man noch bezahlen muss. Man verdient leider gar kein Geld, obwohl man gerade in den Praktikumszeiten als volle Arbeitskraft zeitlich anwesend sein muss. Einige staatliche Schulen kosten kein Geld.

6)Hast du dich auf irgendeine Weise auf den Ausbildungsbeginn vorbereitet?
Nicht wirklich. Es ging alles ziemlich schnell.

7)Wie ist dein Ausbildungsalltag aufgebaut? Was für Kurse werden beispielweise angeboten? Was für Aufgaben erledigst du?
Man hat wie in der Schule einen Stundenplan. Der ist allerdings etwas anders aufgebaut. Man hat Fächer wie Lebenskunde, Erlebnispädagogik, Spielen (Ja, wirklich!), Ernährung und Gesundheit, Sport usw.. Klingt jetzt erstmal sehr aufregend, aber es ist vor allem auch viel Theorie dabei, weil man auch Psychologie und Pädagogik hat, viele Theorien, Methoden und Erziehungsstile der letzten Jahrzehnte kennen lernt. Oft hat der Unterrichtsstag 8-10 Stunden und es sind viele Doppelstunden, manchmal auch 4er Stunden gewesen. Aber es gab auch viele praktische Fächer, bei denen man viel raus geht, die Umwelt kennen lernt, Methoden testet und auch mal Projekte mit Kitas durchführen muss.

9)Wie sind die Prüfungen aufgebaut?
In den ersten zwei Jahren hat man regulär pro Halbjahr und Fach die allseits bekannten Klausuren, Rerefarte, Vorträge usw. Aber man muss auch Klassen anleiten zu verschiedenen Projekten und Themen. Im 3. Jahr kommen dann die richtigen Abschlussprüfungen. Man hat zuvor Hauptfächer gewählt, in denen man jeweils eine schriftliche Prüfung hat. In meinem Fall waren das zum Beispiel Erlebnispädagogik und Raum- und Umwelterschließung durch Monetisierung. Außerdem schreibt man eine Facharbeit, für die man etwas über ein halbes Jahr Zeit hat und die min. 20 Seiten umfassen soll. Man wird hierbei von einem Lehrer unterstützt und kann das Thema frei wählen. Es muss dann nur noch von den Verantwortlichen genehmigt werden. Meine Facharbeit beschäftigte sich zum Beispiel mit dem Thema „Entspannungspädagogik“. Wenn man mit der Facharbeit bestanden hat, geht man mit dieser nochmal in ein Kolloquium, wo man zusammen mit 3 anderen Schülern, die ungefähr zum eigenen Thema passen, vor einem Lehrergremium seine Arbeit verteidigen und erläutern muss. Das darf pro Schüler bzw. Auszubildender nicht länger als 5 Minuten dauern. Wenn man also die zwei Prüfungen, die Facharbeit und das Kolloquium bestanden hat, dann 
darf man sich staatlich anerkannter Erzieher nennen.


10)Wie ist das Mädchen/Jungs-Verhältnis? Wie viele Auszubildende gibt es bei dir?
Hm, als ich damals da war, waren es wohl vor allem mehr Mädchen, wobei durchaus zu beobachten ist, dass die Zahl der Jungs zunimmt. Zum Schluss war ich leider in einer reinen Mädchenklasse, das war nicht immer unbedingt der Atmosphäre dienlich. Es gab pro Jahrgang 7 Klassen a 20 Auszubildender, also durchaus eine ordentliche Zahl, wobei das auch von Jahr zu Jahr variiert hat.

11)Wurden deine Erwartungen von 2) erfüllt? Was ist anders als gedacht?
Nun ja, wenn man nicht mit unbedingt großen Erwartungen da rein geht, kann man wohl auch nicht von erfüllt sprechen, aber ja, es war einiges anders als gedacht: Man denkt halt, Erzieher spielen viel, basteln und machen tolle Sachen mit Kindern, aber es steckt deutlich mehr dahinter. Vor allem das Fach Psychologie war Segen und Fluch in einem. So viel Wissen, so viel Stoff und Input. Einerseits total spannend, aber andererseits auch so schwer nachvollziehbar, weil am Ende ja doch jeder Mensch anders ist. Auch die vielen Methoden, die es gibt. KLAX, Montessori, offene Arbeit, Waldorf…es scheint kein Ende zu geben und keine der Methoden ist pauschal die beste. Entwicklungsbeobachtungen, Regelungen in Einrichtungen, was gehört alles zu den Verwaltungsarbeiten dazu. Elterngespräche, was darf ich, was nicht. So viel, was man falsch machen kann…. Aber am Erschreckendsten war für mich die 1. Hilfe am Kind. Da hat man auf einmal so eine kleine Babypuppe, die man beatmen soll…sowas will man sich ja eigentlich nicht vorstellen. Und gleichzeitig hätte ich niemals gedacht, dass ich mich dort so wohl und richtig fühlen würde, wo ich doch total andere Ziele im Leben hatte. Die Menschen waren offen und freundlich, die Lehrer sehr aufmerksam und immer für einen da (obwohl es natürlich auch hier Ausnahmen gab), es gab viele Ausflüge und Projekte, die sehr praktisch orientiert waren und am meisten Freude bereitet hat es mir, dass der kreative Anteil eine große Rolle gespielt hat, wenn es um Konstruieren von Spielen ging oder das Lernen von Methoden für den kreativen Umgang mit Raumgestaltung oder eben auch zum Basteln und Malen mit Kindern. Ich konnte wirklich sehr viel lernen und hätte niemals gedacht, dass mir diese Ausbildung mal so viel geben könnte und mich durchaus auch nochmal zu einem anderen, selbstbewussteren Menschen gemacht hat.

12)Was muss ein Azubi deines Faches, deiner Meinung nach, an Qualifikationen und Interessen mitbringen?
Kinder. Du musst ein Händchen für Kinder haben. Ich hatte so viele in meiner Ausbildung, die diese nur als Sprungbrett für ein Studium genutzt haben und dann nur halbherzig an die Kinder herangegangen sind. Man braucht Geduld, ganz viel, kreative Ideen…sei es nun Musik, Sport, Kunst…Kinder fordern einen ständig. Da gabt es keine Pausen. Sie haben Fragen, wollen Dinge austesten und sind dankbar, wenn da jemand ist, der ihnen zuhört und Zeit für sie hat. Du musst in 

der Lage sein die Balance zwischen Verpflichtungen und Zeit für die Kinder zu finden, denn der Beruf verlangt viele Dinge von Dir, die nicht unmittelbar mit dem Kind zu tun haben und dennoch ist es das Kind, das im Mittelpunkt stehen sollte. Du solltest Konfliktfähig sein, denn überlege Dir immer, wie du als Elternteil sein würdest, wenn Dir etwas nicht passt *zwinker*, es kommem Eltern- und Lehrergespräche auf dich zu und Kinder haben ganz andere Probleme als Erwachsene.

Aber vor allem solltest du Freude an Kindern haben. Und zwar nicht nur an ihren guten, sondern auch an ihren schlechten Seiten…

13)Was für Möglichkeiten hat man mit einer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung deines Faches?
Du kannst in Kitas, Krippen, in Schulen und Jugendeinrichtungen arbeiten. Dazu gehören verlässliche Ganztagsschulen, die Hortbetreuung und durchaus auch Oberschulen, wo immer häufiger Erzieher für die Unterrichtsbetreuung oder Hausaufgabenbetreuung gesucht werden. Sogar in Krankenhäusern gibt es Erzieherinnen für die Kinderstationen. Du kannst in Kinder- und Pflegeheimen arbeiten. Da muss man abwägen, was man aushalten kann und welche Altersgruppe am ehesten zu einem selber passt. Ich selber zum Beispiel habe in einem Schulhort gearbeitet, wo ich mit Kindern im Alter von 6-13 zu tun habe und habe dort eine Gruppe von 3. Klässlern im Nachmittagsbereich betreut. Das schließt Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung mit ein. Man kann sich bei staatlichen Einrichtungen bewerben, aber auch bei freien Trägern. Ihr seht also, es gibt einige Möglichkeiten und auch wenn die Ausbildung  heute wahrscheinlich etwas anders abläuft als vor 10 Jahren, ist der Bedarf an Erziehern derzeit groß wie nie und bietet somit gute Chancen.

14)Was hast du dir für die Zukunft vorgestellt?
Es ist schwer als Erzieher über die Zukunft nachzudenken, denn die Anforderungen werden immer größer und es soll immer mehr geleistet werden. Die Einrichtungen werden voller und es fehlt an Geld und Personal. Viele ältere Erzieher, mit denen ich gesprochen habe und die diesen Job schon über 20 Jahre ausführen, meinen,dass sie sich nicht vorstellen können diesen Job bis zur Rente zu machen. Es ist einfach körperlich in vielen Fällen nicht machbar, da es ein sehr belastender Beruf ist physisch wie psychisch. Ich sehe mich gerne in kleinen, überschaubaren Einrichtungen, vielleicht Kinderläden oder Einrichtungen mit maximal 40 Kindern, vielleicht ein Kindertreff für Grundschüler nach dem Unterricht… ich weiß es nicht…

15)Was gefällt dir am besten an deiner Ausbildung, was nervt dich?
Am meisten Spaß habe ich immer an den Projekten mit Klassenkameraden gehabt, vor allem, wenn ich mir die Gruppe selbst zusammenstellen durfte. Wir hatten eine herrliche Zeit und konnten viel gemeinsam lernen und erfahren. Da sind Freundschaften für’s Leben entstanden.
Genervt haben
mich einige Fächer, die mich meiner Meinung nach so gar nicht weitergebracht haben, aber so etwas gibt es immer und überall.



16)Dein Fazit.. hier zählt deine ehrliche Meinung! Für wen ist die Ausbildung geeignet, bist du zufrieden, gibt es einschlägige Erfahrungen, was erwartet einen Azubi, womit muss er/sie rechnen etc. Tob dich aus!

Die Ausbildung ist vor allem etwas für Menschen, die gut mit Menschen können. Vor allem natürlich mit Kindern. Du musst ein Händchen dafür haben, denn Kinder merken es, wenn du mit ihnen nicht kannst und das kann Dir schnell zum Verhängnis werden. Allgemein solltest du halt wirklich gut mit Menschen können, denn du wirst sehr, sehr viel Kontakt zu diesen in den unterschiedlichsten Konstellationen haben. Kollegen, Vorgesetzte, verschiedene Ämter (Jugendamt zum Beispiel), Eltern, Großeltern und immer wieder Kinder, Kinder, Kinder…du wirst eigentlich den ganzen Tag über nichts anderes machen als mit Menschen reden und agieren. Geduld spielt eine wichtige Rolle, denn die Dinge werden nicht immer so laufen, wie du dir das denkst. Kinder und Eltern können sehr unberechenbare Faktoren sein.

Ich habe gemerkt, wenn man einigermaßen gut mit Menschen kann, dann bringt der Rest vor allem die Erfahrung, die man in diesem Beruf macht. Man bekommt zwar in der Ausbildung viele Mittel und Methoden in die Hand, aber letztendlich wirst du in der Praxis das Meiste lernen, das dich auch dann zu dem Erzieher formt, der du dann mal werden wirst. Besonders am Anfang wird man noch sehr blauäugig sein und viele Fehler machen. Und du solltest in der Lage sein eine gesunde Balance zwischen Konsequenz und Gutmensch zu finden, denn Kinder und auch Eltern testen immer gerne aus, wie weit sie bei Dir gehen können… Nerven aus Stahl wären also durchaus auch eine gute Eigenschaft.

Du solltest kreativ und/oder sportlich sein, denn das wird dir sehr helfen einen schönen Alltag mit den Kindern zu gestalten. Sie freuen sich über Aufgaben, Bewegung und auch Singen. Es wäre also von Vorteil, wenn du irgendeine Fähigkeit hast, die sich gut nutzen lässt. Ich hatte einen Schlagzeuger als Kollegen, den haben die Kinder geliebt, weil er viel Musik mit ihnen gemacht hat. Eine, die gerne mit Holz arbeitet und mit den Kindern viel in der Holzwerkstatt war, eine konnte gut Filzen und und und…

Hast du noch Fragen an Sari zu ihrer Ausbildung und Arbeit als Erziehern oder möchtest du anderen bei ihrer Berufswahl helfen und ebenfalls deine Meinung teilen? Dann lass uns doch einen Kommentar da oder schreib uns privat per Kontaktformular!






Kommentare:

Steffi W. hat gesagt…

Sehr schöne Aktion!
Wir haben hier viele staatliche Erzieher Schulen und wer Anspruch auf Bafög hat, hat wenigstens noch etwas Geld in der Tasche.

Sari hat gesagt…

Ja, man kann Bafög beantragen, in vielen Erzieherschulen, auch denen, in denen man Beitrag zahlen kann, sind da Bafög gefördert, aber meist hat man am Ende leider mehr mit den Kosten zu schaffen, als einem lieb ist.

Meine Schule zum Beispiel hatte auch die Möglichkeit mal einen Monat mit der Zahlung des Schulgeldes auszusetzen und in Raten zu zahlen, die war bei solchen Dingen sehr hinterher im Interesse der Schüker zu handeln, aber da gab es auch Psychologen usw. die einem durch die Schulzeit halfen, wenn man sie brauchte...das ist leider nicht überall so.

Sinah Sidonie Überlebenskunst hat gesagt…

Freunde, die eine Ausbildung machen, sagen mir auch immer wieder, dass man das Barfög einer Ausbildung wohl nicht zurück zahlen muss.
Beim Studentenbarfög ist das ja leider nicht der Fall, da muss man mindestens die Hälfte zurück zahlen.

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