Mittwoch, 8. April 2015

Berufsfindung #4 Media Systems




Name: Christoph

1) Wie bist du auf diesen Berufsweg gekommen? Gab es einen Auslöser für deine Wahl? Während meiner Schulzeit war meine beste Qualifikation das Zeichnen mit dem Bleistift. Als ich mir Gedanken darum machte, was ich später mal werden möchte, schloss ich den naheliegenden Weg eines selbstständigen Künstlers aus, weil ich auf gar keinen Fall selbstständig werden wollte. Aber ein Künstler der nicht selbstständig war? Das passte doch gar nicht zusammen, dachte ich. Und das bestätigte sich auch auf diversen Workshops und Messen die ich besuchte um das passende für mich zu finden. Doch dann sah ich eine Möglichkeit in der Games-Industrie. In Hamburg gab es den Masterstudiengang „Zeitabhängige Medien Sound - Vision - Games“ an der HAW, den ich unter anderem mit dem Bachelor Media Systems machen konnte.

2) Wie hast du dir das Studium vorgestellt, welche Erwartungen hattest du?
Ich erhoffte mir einen Einblick in die Informatik und Programmierung, denn das war ja auch ein Aspekt in der Entwicklung von Spielen. Vor allem aber zielte ich auf den Masterstudiengang ab, bei dem es dann richtig um Games gehen sollte. Meine Erwartung war dann dort den künstlerischen Aspekt in Games für mich zu finden.

3) Welche Voraussetzungen waren nötig (NC, Eignungstest, Praktika, Bewerbungsmappe, Vorstellungsgespräch)?
Es gab nichts dergleichen. Wenn man jedoch schlecht in Mathe, Physik oder Informatik war, dann geriet man ins Wartesemester.
4) An welcher Uni studierst du? Hast du dich explizit für diese Uni entschieden? Welche Vorteile/Nachteile bietet deine Uni gegenüber anderen?
Ich studiere an der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg. Mein Problem war, dass nur drei nicht-private Studiengänge in ganz Deutschland für mich in Frage kamen. Game Design an sich wird fast nur von privaten Unis angeboten und die sind sehr teuer. Meine erste Option war in Berlin an der HTW, doch dort wurde ich nicht angenommen. In Hamburg klappte es jedoch und die dritte Option lag irgendwo weit im Süden von Deutschland wo ich nicht hin wollte. Deshalb nahm ich das, was ich bekam. Die HAW bietet sehr viel und ist daher in verschiedene Fakultäten und Departments unterteilt. Meiner Meinung nach ermöglicht das einen engeren Kontakt zwischen den Dozenten und Studenten. Ich kann jetzt nur für mein Department sprechen, weil ich nicht weiß wie es bei den anderen ist, aber uns wird oft die Möglichkeit gegeben praktische Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen. Unserem Department mangelt es an Lehrräumen, weil wir das Gebäude mit der HFBK teilen.

5) Hast du dich auf irgendeine Weise auf den Studienbeginn vorbereitet?
Ich besuchte einen Mathevorkurs, um meine Mathekenntnisse aufzufrischen und um meine ersten Kommilitonen kennen zu lernen. Zusätzlich gab es eine Orientierungseinheit (OE), in der Studenten aus dem vierten Semester ihre Erfahrungen teilten und uns mit den wichtigsten Dingen vertraut machten. Außerdem führten sie uns durch Hamburg, was nochmal den Kontakt zu den Studenten stärkte. Als es dann richtig losging, gab es ein Tutorium extra für Erstsemestler, welches wieder von höheren Studenten geführt wurde. Sie verhalfen uns eine Zeit lang indem wir Fragen klärten und Themen bezüglich des Studiums besprachen.

6) Wie ist dein Studienalltag aufgebaut? Was für Kurse werden beispielweise angeboten?
An meinem Department gibt es für jeden Studiengang einen Stundenplan, an den jeder Student gebunden ist. Sobald man einen Kurs nicht besteht wird es kompliziert, weil sich die Kurse dann sehr wahrscheinlich überschneiden, wenn man versucht neue und alte Vorlesungen zu besuchen. Das passiert mir gerade und ich sehe meine Kommilitonen, mit denen ich einst begonnen habe, kaum bis gar nicht wieder. Wenn man Media Systems an der HAW studiert, muss man drei große Projekte machen, bei denen man sich austoben kann. Such dir ein paar Leute und erstelle ein Spiel. Oder baue eine Website, was immer du willst. (siehe Projekt A bis C) Genauso wird von der Veranstaltung Mediengestaltung ein kleines Projekt erwartet. (bis zu drei Mal, siehe MG1 bis 3). Außerdem hat man in Animation und Virtuelle Systeme die Möglichkeit das Motion-Capturing Labor an der Uni zu benutzen (bestimmt auch für eines der größeren Projekte, wenn man es mit einem Dozenten abspricht). Das klingt zwar gut, ist aber viel Aufwand und am Ende hat man nur 1qm Raum in dem man sich bewegen kann. Aber allein die Möglichkeit und die Erfahrung ist es wert. Was bleibt ist viel Informatik, Mathe, Programmieren, und Netzwerktechnik. Der Studiengang ist halt weit gefächert und unter Umständen lernt man etwas, das einen gar nicht interessiert.

Mathe im Studium hebt sich sehr stark von Mathe in der Schule ab. Man muss ein völlig anderes Verständnis für Mathe entwickeln und die Themen sind unheimlich kompliziert und vielseitig. Aber wenn man sich da durch beißt, ergibt alles einen Sinn. Am wichtigsten in Mathe ist meiner Meinung nach der Lehrer, der es einem beibringt. Edmund Weitz und Christian Spannagel sind sehr gute Mathedozenten.
7) Wie sind die Prüfungen aufgebaut?
Die Prüfungsleistungen sind nicht immer gleich. Meistens sind es nur Klausuren. Manchmal steht eine Klausur an und man muss zusätzlich Hausaufgaben gemacht haben. Wie vorhin erwähnt, können es auch Projekte mit anschließendem Referat und Dokumentation sein. Wenn es in einer Klausur zum Beispiel um Programmieren geht, dann muss man meistens Code schreiben. In Mathe sind es zum einen klare Aufgaben und zum anderen Aufgaben, die  so rekursiv aufgebaut sind, dass man mehrere aufeinander folgende und im Zusammenhang stehende Eigenschaften erkennen und lösen muss.

8) Wie ist das Mädchen/Jungs-Verhältnis?
Es gibt ganz klar mehr Jungs als Mädchen. Beim Master Studiengang werden jedoch Gestalter und Programmierer aufeinander treffen und seitens der Gestalter wird es dann mehr Mädchen geben.

9) Wurden deine Erwartungen von 2) erfüllt? Was ist anders als gedacht?
Ich bin noch nicht im Master, aber meine Erwartungen wurden bisher erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen. Ich habe einen viel besseren Eindruck gewinnen können und weiß jetzt wesentlich besser, wie es in der Games-Branche und Softwareentwicklung so läuft.

10) Was muss ein Student deines Faches, deiner Meinung nach, an Qualifikationen und Interessen mitbringen? Für Media Systems wäre es gut, wenn man ein Interesse am Programmieren hat. Oft wird auch behauptet man müsse für Informatik gut in Mathe sein, aber welche Note man in der Schulmathematik hat, ist meiner Meinung nach kein geeigneter Maßstab, um eine solche Entscheidung zu fällen. Mathe in der Schule läuft nach folgendem Prinzip: Hier ist ein Problem und hier eine Methode zum Lösen. Berechne die Aufgaben. Das ist ein völlig falscher Ansatz um Mathematik zu verstehen. Wenn man sich Dinge wie die Fibonacci Zahlen und die Ulam Spirale ansieht, dann gewinnt man einen ganz anderen Eindruck. Und wenn man bestimmte Systeme versteht und weiß, wie man mit bestimmten Zahlen umzugehen hat, dann ist das auch schon alles. Je komplexer die Mechanik, desto komplizierter kann es mathematisch werden. Ansonsten ist das Interesse am entwerfen und erstellen wichtig. Kreativität. Du wirst lernen müssen, bestimmte Software zu benutzen, wenn du also eine Affinität dazu hast, ist das sehr gut. Und du solltest gut in Englisch sein.

11) Was für Möglichkeiten hat man mit einem Bachelorabschluss? Welche mit einem Master?
Bei Media Systems kommt es darauf an, was du am Ende vorzuweisen hast. Dein Portfolio ist wichtig, womit hast du dich beschäftigt? Das Studium bietet dir immerhin mindestens fünf Projekte. Du kannst als Softwareentwickler, Webdesigner, im Netzwerkbereich, in der Games Industrie, als Tüftler im Bereich der Virtual Reality oder wo anders arbeiten.

12) Was hast du dir für die Zukunft vorgestellt?
Den Master will ich bisher noch machen, mal sehen wie es aussieht, wenn ich meine Bachelor Arbeit schreibe. Auf jeden Fall werde ich es bei Inno-Games, Good-Games, Daedalic und Deck 13 in Hamburg versuchen.

13) Was gefällt dir am besten an deinem Studium, was nervt dich?
Am meisten gefallen mir die Projekte und solche Möglichkeiten wie Motion-Capturing und die Oculus Rift ausprobieren zu können. Auch wenn Media Systems kein Game Design Studiengang wie an den privaten Institutionen ist, so finden sich jedoch viele Studenten und Dozenten, die Bock haben Spiele zu entwickeln. Was mich nervt ist, dass ich dafür nach Hamburg ziehen musste.

14) Dein Fazit.. hier zählt deine ehrliche Meinung! Für wen ist das Studium geeignet, bist du zufrieden, gibt es einschlägige Erfahrungen etc. ? Schau dir einfach die Studienordnung an (also welche Vorlesungen dran kommen) und überlege, ob das etwas für dich sein könnte. Vergiss aber nicht, dass man sich auch vieles selber beibringen kann. Wie man bestimmte Software bedient, wird einem im Studium eher nicht beigebracht. Wenn man einen Studiengang sieht, der ganz tolle Sachen anbietet, die aber erst später kommen, dann kann es am Anfang frustrierend werden, weil man sein Ziel aus den Augen verliert. Andererseits vergeht ein Semester wahnsinnig schnell und ich meine richtig schnell. Unter Umständen beschäftigt man sich zu sehr mit Hindernissen und vernachlässigt dabei unbewusst die Dinge, die einem Spaß machen würden. Das passiert genau dann, wenn ein Projekt mit einem einfachen „Bestanden“ weniger gewertet wird, als eine Klausur die den Notenspiegel beeinflusst. Generell sollte man aufpassen, was man neben dem Studium tut. Wie man seine Zeit investiert. Das Semester ist schneller um, als man denkt und am Ende fragt man sich, was man eigentlich gemacht hat. Es ist auch möglich, dass einem bestimmte Klausuren so ein Stein im Weg sind, dass man nur damit beschäftigt ist, diesen zu bewältigen und wohlmöglich dran zugrunde geht, während man alles andere im Stich lässt. Motivation ist sehr wichtig. Nicht nur im Studium.
Behalte dein Ziel im Auge und gib nicht auf!


Wenn du noch Fragen an Christoph zum Studiengang "Media Systems" hast oder deine persönlichen Erfahrungen mit uns teilen möchtest, dann lass uns doch einen Kommentar da oder schreibe uns über das Kontaktformular.

Bleib fleißig!
Tschöh!

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