Montag, 30. März 2015

Berufsfindung #3 Lehramt: Englisch



Name: Max
Lehramt für die Sekundarstufen I und II in den Fächern Deutsch/Englisch
In diesem Beitrag liegt der Fokus auf dem Fach Englisch (Didaktik und Deutsch zunächst außen vor)
1)Wie bist du auf diesen Berufsweg gekommen? Gab es einen Auslöser für deine Wahl?
Der Gedanke, Lehrer zu werden, wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt: Meine Mutter und später auch mein Vater arbeiten als Lehrer. Es ist oft so, dass man als Kind viel vom Beruf seiner Eltern mitbekommt, was einen u.a. stark abschrecken kann. Abgeschreckt wurde ich nicht, allerdings entwickelte sich der Gedanke, Lehrer zu werden, erst in der elften Klasse. Es gab eigentlich kein Fach, das mich damals nicht interessierte, doch mein größtes Interesse galt den Fächern Deutsch, Englisch, Biologie und Geschichte. Ich hatte allerdings Schwierigkeiten mit der Entscheidung, wie es nach dem Abitur weitergehen sollte. Von allen Fächern war ich am besten in Deutsch und Englisch, daher gingen meine ersten Überlegungen auch in Richtung Literaturwissenschaften und Publizistik. Was meine persönlichen Fähigkeiten anging, so machte mir das Halten von Vorträgen immer viel Spaß und ich konnte meine Ideen und Vorstellungen meistens gut vermitteln. Zusammen mit dem Wunsch, dass ich selbst nie aufhören wollte, Neues zu lernen, kam ich früher oder später auf den Berufsweg Lehrer in den Fächern Englisch und Deutsch.

2)Wie hast du dir das Studium vorgestellt, welche Erwartungen hattest du?
In der Schule bezog sich mein Englischunterricht weniger auf das Erlernen der Sprache, sondern vielmehr auf das richtige Schreiben einer Textanalyse, Zusammenfassung und Erörterung in Englisch. Ich erhoffte mir daher vom Studium der Anglistik, einen fundierten Einblick in alle Aspekte der englischen Sprache. Sei es das Studieren von Englischer Literatur, die Analyse von grammatikalischen Strukturen oder das philosophieren über die englische Kultur und Geschichte.

3)Welche Voraussetzungen waren nötig (NC, Eignungstest, Praktika, Bewerbungsmappe, Vorstellungsgespräch)?
Ich studiere an der Universität Potsdam. Voraussetzung für das Studium der Anglistik ist dort natürlich zuallererst die allgemeine Hochschulreife oder ein Äquivalent. Eine weitere Voraussetzung ist das Bestehen der „Eignungsfeststellungsprüfung“, um die notwendige Sprachkompetenz (in Englisch) nachzuweisen. Allerdings ist es nicht in allen Fällen nötig, diese Prüfung abzulegen. Ich musste beispielsweise nicht daran teilnehmen, da ich mehr als 12 Punkte in der Abiturprüfung in Englisch erreicht hatte. Alternative Nachweise der Sprachkompetenz sind auf dieser Seite aufgelistet:
http://www.uni-potsdam.de/anglistik/studium/eignungstest.html#altNachw
Eine weitere Voraussetzung ist, dass man bis zum Ende des 4. Semesters entweder Latein oder eine romanische Sprache (Spanisch/Französisch/Italienisch), in einem Umfang gelernt hat, der drei Jahren Schulunterricht entspricht.

Was den Numerus Clausus angeht, entnehme ich der Website der Uni Potsdam, dass Anglistik/Amerikanistik derzeit zulassungsfrei ist. Diese Angabe ist allerdings ohne Gewähr, außerdem ändert sich das auch jedes Semester.

4)An welcher Uni studierst du? Hast du dich explizit für diese Uni entschieden? Welche Vorteile/Nachteile bietet deine Uni gegenüber anderen?

Ich habe mich neben der Uni Potsdam an der Humboldt Universität und der Freien Universität in Berlin beworben und wurde dort auch angenommen. Ich habe mich jedoch explizit für Potsdam entschieden und zwar aus folgenden Gründen:
Zunächst wegen der Anzahl an Studierenden in meinem Studiengang. Die Zahlen ändern sich jährlich, doch als ich mich bewarb, gab es deutlich weniger Lehramtsstudenten (und Studenten insgesamt) an der Uni Potsdam als an den Unis in Berlin. Außerdem versicherten mir viele Leute, die bereits dort studierten, dass man dadurch seltener Probleme mit den Sitzplätzen in Seminarräumen und damit eine „gemütlichere“ Lernatmosphäre hätte. Was Englisch angeht, stimmt das auch, doch gerade bei Studiengängen wie Deutsch und Geschichte sind überfüllte Seminarräume keine Seltenheit.
Ein großer Vorteil gegenüber den anderen Universitäten ist, dass man als Lehramtsstudent, bei bestandener Bachelor-Prüfung, einen sicheren Studienplatz im Master garantiert bekommt. Viele Berliner Studenten bewerben sich für einen Master-Studiengang in Potsdam, weil sie in Berlin keinen Platz mehr bekommen.

4)Hast du dich auf irgendeine Weise auf den Studienbeginn vorbereitet?

Nein, es ist jedoch sehr empfehlenswert, Grammatikkenntnisse wieder aufzufrischen.

5)Wie ist dein Studienalltag aufgebaut? Was für Kurse werden beispielweise angeboten?

Das Studium ist modular aufgebaut und gliedert sich in die Bereiche Sprachausbildung (Übersetzen, Hörverstehen und mündlicher/schriftlicher Ausdruck), Linguistik (Grammatik, Entwicklung und Variation der englischen Sprache etc.), Literatur und Kulturwissenschaft (Britische, Amerikanische und Postkoloniale) und Fachdidaktik (Englisch lehren lernen).
Die Sprachausbildung hat mir bisher am meisten Spaß gemacht. Hier geht es um die tatsächliche Verwendung der Sprache. Man lernt entweder den britischen oder den amerikanischen Akzent, Behändigkeit in Diskussionen auf Englisch, das Schreiben von kritischen Essays als Reaktion auf Artikel oder auch das Schreiben von Short Essays.

In den Grundkursen der Linguistik wird auf die elementare Struktur der englischen Sprache eingegangen. Das geht weit über die Grammatik in der Schule hinaus, was für mich zunächst erschreckend, doch dann faszinierend war. Später lernt man hier auch viel zur Entwicklung der Sprache vom Old English zum heutigen modernen Englisch.
In der Literaturwissenschaft konzentriert man sich auf einzelne Werke, Autoren oder Perioden der englischen Literatur und analysiert, vergleicht und diskutiert.
In den Kulturwissenschaften geht es um politische und philosophische Ansätze zu den verschiedensten Themen. Die Englische Gesellschaft und ihre Geschichte und Teilaspekte. Von Themen wie Feminismus, Indianerkriegen, Expansionspolitik und Apartheit bis hin zum Thema Kommunismus vs. Kapitalismus.
Die Fachdidaktik konzentriert sich auf Mittel und Wege, Englisch als Sprache, Kultur und Literatur zu vermitteln.
Auch Praktika sind ein sehr wichtiger Teil des Studiums.


6)Wie sind die Prüfungen aufgebaut?

Sehr unterschiedlich. Je nach Fachbereich geht es hier von Multiple Choice Tests über das Faktenwissen zur Sprachgeschichte bis zum Schreiben von Short Essays oder zur schriftlichen Beantwortung bestimmter Fragen. Das Schreiben von Hausarbeiten ist hierbei interessanter. Man entwickelt eine Fragestellung oder eine These und geht dieser schriftlich, in 5-20 Seiten, auf den Grund. Einige Dozenten entscheiden einen Teil der Note auch durch wöchentliche Hausaufgaben, die zuverlässig abzugeben sind. Diese Hausaufgaben sind zum Teil der Grund, weshalb sich der Studiengang sehr "verschult" anfühlt.

7)Wie ist das Mädchen/Jungs-Verhältnis?
Ich würde sagen, mehr Mädchen als Jungs.

8)Wurden deine Erwartungen von 2) erfüllt? Was ist anders als gedacht?

Meine Erwartungen wurden erfüllt. Das Studium bietet alles, was ich mir erhoffte und mehr. Ich hätte nicht gedacht, dass der Bereich Linguistik ein solch tiefgreifendes Verständnis der Grammatik vermittelt. Anfangs musst du damit rechnen, durch eine Vielzahl Einführungskurse zu müssen. Diese sind teilweise extrem aufwändig was Hausarbeiten und wöchentliche Hausaufgaben angeht. Man muss eben zuerst das Handwerkszeug erlernen. Die späteren Aufbaumodule sind angenehmer, da man sich dann auch spezialisieren kann.

9)Was muss ein Student deines Faches, deiner Meinung nach, an Qualifikationen und Interessen mitbringen?

Man sollte durchaus kommunikativ sein und Interesse an Diskussionen haben. Darüber hinaus ist es wichtig, dass man gerne liest und schreibt und keine Scheu vor neuer oder komplizierter Lektüre, bzw. einem hohen Leseaufwand hat. Man muss nicht unbedingt ein Fan von Shakespeare sein und auch keiner werden, doch man sollte sich dazu motivieren können, Aspekten von Sprache, welche einem nicht sonderlich liegen oder gefallen, wenigstens eine Chance zu geben und versuchen, diese zu verstehen.

10)Was für Möglichkeiten hat man mit einem Bachelorabschluss? Welche mit einem Master?
Hinsichtlich des Lehramts bringt ein Bachelorabschluss wenig, da erst ein Masterabschluss den Abschluss der Lehrerausbildung markiert (offiziell jedenfalls. Ich denke, erst die Praxis macht einen wirklich zum Lehrer).
Darüber hinaus ist ein Englisch Studium die Grundlage für eine Karriere in der Bildungs-, Verlags- oder Medienbranche.  Englisch ist die meist gesprochene Sprache der Welt und als Anglist erschließt man sich weit mehr als nur das Erlernen und Meistern dieser Sprache.  Nach dem Studium steht außer dem Bildungssektor noch eine Vielzahl anderer Berufsfelder offen. So kann man z.B. eine Karriere als Journalist, Dolmetscher oder Lektor anstreben.

11)Was hast du dir für die Zukunft vorgestellt?
Ich würde gerne Lehrer werden, doch sollte ich die Möglichkeit sehen, an der Universität zu bleiben oder auch in Richtung Dolmetscher oder Lektor abbiegen zu können, so kann sich mein Berufsweg durchaus noch ändern.

12)Was gefällt dir am besten an deinem Studium, was nervt dich?
Am besten gefallen mir bisher die Kurse zur Sprachausbildung und Literatur. Es ist toll, mit Muttersprachlern zu lernen und ebenbürtig miteinander zu diskutieren und zusammenzuarbeiten. Nervig fand ich bisher nur die vielen Deadlines für wöchentliche Hausaufgaben etc. Das Studium ist mittlerweile sehr „verschult“ und zusammen mit dem hohen Leseaufwand kommt es vor, dass man gar nicht die Zeit findet, sich intensiv mit einer Sache zu beschäftigen, da bereits die nächste ansteht. Es ist nicht nur in Englisch so und z.T. bereits die Norm, doch es nervt trotzdem.

13)Dein Fazit.. hier zählt deine ehrliche Meinung! Für wen ist das Studium geeignet, bist du zufrieden, gibt es einschlägige Erfahrungen etc. ?
Mit Englisch bin ich bisher sehr zufrieden! Wenn Du dich für Anglistik entscheidest, dann freue dich auf die unterschiedlichsten Menschen und Lerninhalte sowie interessante berufliche Perspektiven. Es ist definitiv nichts für Lesemuffel und man sollte sich nicht entmutigen lassen, wenn man das eine oder andere immer wieder wiederholen muss, wie z.B. Grammatik, da es zum Handwerkszeug des Anglisten gehört. Wichtig sind vor allem eine Affinität für Sprache, die Bereitschaft zur Kommunikation und ein gewisses Maß an Selbstständigkeit beim Arbeiten. Wer gerne Englisch spricht, sich für die Sprache und alle ihre Aspekte interessiert und sich gerne mit englischsprachiger Literatur befasst, der ist für ein Studium der Anglistik genau richtig.
Ich würde dir empfehlen gleich zu Beginn ein Orientierungspraktikum in einer Schule oder Dergleichen zu machen. Auf diese Art und Weise wirst du rechtzeitig mit dem Beruf konfrontiert und weißt, wenn es dir dann immernoch gefällt, wofür es sich zu arbeiten lohnt.



Wenn du noch Fragen an Max hast oder du deine eigenen Erfahrungen diesbezüglich mit uns und den Lesern teilen willst, schreibe doch einfach einen Kommentar oder direkt hier per Kontaktformular.

Als nächstes kannst du etwas über den Studiengang "Media Systems" erfahren.
Tschöh!


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