Freitag, 14. März 2014

Universität der Künste: Bewerbungsverfahren und Erstellung der Mappe

S.S. Jakobeit
Wie einige von euch wissen habe ich mich vor genau einem Jahr an der Universität der Künste in Berlin beworben. Zu dem Bewerbungsverfahren und den Anforderungen an die Bewerbungsmappe gibt es allerlei Gerüchte, Mappenkurse und Weisheiten. Als ich mich damals beworben hatte wurde ich von allen Seiten mit Tipps und Tricks zugeschüttet, allerdings keiner aus relevanten Quellen. Da heißt es beispielweise man müsse ganz verrückte Sachen machen (Marmelade als Farbe nutzen), um dort angenommen zu werden, andere sagen, dass man technisch schon sehr gute Leistungen vorweisen sollte. Damals hätte ich mir gewünscht, dass jemand mir den Druck nimmt und mir ganz einfach erklärt was Sache ist und was auf mich zukommt. Vorweg muss ich sagen, dass ich im Endeffekt nicht angenommen wurde, allerdings bis ins Auswahlverfahren der letzten 100 Bewerber gekommen bin (von über 700) und deshalb alle Verfahren miterleben konnte.

Die einzigen Angaben, die von der Uni selbst gemacht wurden:
- 20-30 Bilder
- eine maximale Größe von Din A0
- keine Leinwände, Holz, Rahmen, etc. nur Papier oder Pappe
- Skulpturen etc. können abphotographiert beigelegt werden
- Filme, gebrannt auf eine CD oder DvD
- Keine verderblichen Materialien (so viel also dazu, thaha)


S.S. Jakobeit
S.S. Jakobeit
Die Erarbeitung einer Mappe:
Die Menschen in der Mappenberatung haben mir damals immer erzählt ich müsse unbedingt einen roten Faden haben und am besten mindestens ein Jahr vorher mit dem Zeichnen und Malen anfangen. Dabei sollte ich mir am besten einen Gegenstand suchen und diesen immer wieder aufs neue inszenieren, damit ich am Ende mindestens 70 Bilder zur Auswahl habe, von denen ich mir dann meine 30 besten raussuche. Außerdem sollte ich möglichst viel Zeugs zeichnen und skizzieren. Wenn ihr euch hier ein paar meiner Arbeiten anseht, versteht ihr denke ich, dass ich nicht der typische Stillleben-Typ bin. Die Frau in der Mappenberatung sagte mir sogar wörtlich, dass meine Sachen zu verrückt und sie wahrscheinlich der UdK nicht gefallen würden.

Ich bin allerdings jemand, der zu seiner Persönlichkeit und seinem Stil steht und aus diesem Grund habe ich so ziemlich keinen der Ratschläge der Mappenberatung befolgt. Wenn die UdK mich haben wollte, dann bitte so wie ich bin und nicht als Abklatsch eines künstlerischem Ideals.



S.S.Jakobeit
S.S.Jakobeit
Ungefähr 2 Monate vorher begann ich mit den Vorbereitungen. Dabei habe ich einige bereits enstandene Malerein genommen (ich habe so oder so relativ regelmäßig gemalt) und ungefähr 10 weitere gezielt angefertigt. Ich habe keinen für jedermann ersichtlichen roten Faden gehabt, sondern einfach auf die Art und Weise gearbeitet wie ich es immer tue. Allerdings habe ich, um zu zeigen, dass ich auch anders kann, ein paar realistische Studien, Zeichnungen und Arbeitsproben angefertigt. Seid mutig und bekennt Farbe und Kreativität, aber auch Zeichnungen von Menschen und Tieren, Photographien von Modellagen, Mode oder räumliche Zeichnungen können gut umgesetzt werden. Ich habe beispielweise meine Bilder auch nicht auf weiße Pappen geklebt, sondern auf schwarze.

Am Ende bestand meine Mappe aus gut 20 Bildern der Größe A0 (ich wollte durch die Größe auffallen und im Gedächnis bleiben). Da ich gehört hatte, dass der Ausschuss sich maximal 2 Minuten deine Mappe ansieht, habe ich mich für eine geringere Anzahl an Bildern entschieden. Kurz, prignant und lieber einprägend. Beginnt mit einem eurer stärksten Werke, damit die Jury sich die Zeit nimmt auch den Rest anzusehen. Baut quasi eine Spannung auf. Ihr müsst das ganze menschlich sehen. Nach mehreren Tagen und hunderten von Mappen wird man ungeduldig und wenn dann der Anfang schon uninteressant ist, landet der verschnarchte Bewerber schnell auf dem Ablagestapel. Also: Bleibt ihr selbst, verkrampft euch nicht, zeigt eure Stärken....
Und siehe da! Ich wurde zur Prüfung eingeladen (trotz Erstbewerbung und angeblicher Verrücktheit)!

Die Aufnahmeprüfung:
Es zur Aufnahmeprüfung zu schaffen ist ein großer Schritt, der zeigt, dass man sich gegen mehrere hundert
Bewerber durchgesetzt hat. Die Aufnahmeprüfung findet erst ziemlich spät statt, ich vermute, um die
Bewerber zu quälen und man erfährt von der Uni nichts weiter als dass die Prüfung 4 Tage (mehrere Stunden pro Tag) dauert und mit einem Gespräch vor der Kommission endet. Materialien müssen selbst mitbebracht werden, zuzüglich einer DIN A0 Pappe, um die Abschlussarbeit aufzukleben.
So weit so gut, aber was nun? Wie bereitet man sich darauf vor? Womit soll man rechnen?
Ihr seht also: der Grund, weshalb ich diesen Post schreibe ist, dass das Wissen, welches ich gerade mit euch teile, mir damals sehr geholfen und so einigen Kummer erspart hätte. Ich habe mir natürlich Druck und Panik gemacht, hatte eine heiden Angst vorm Versagen, vor Allem aber vor den Anforderungen und der Begegnung am Ende mit der Komission.


S.S. Jakobeit


Der schriftliche Teil:
Bestand nur aus einem Blatt Papier, das Fragen zu unseren Beweggründen stellte Kunst zu studieren. Wieso Lehrer? Wieso Kunst? Erste Erfahrungen? Vorbilder? Bedeutung der Kunst für unsere Gesellschaft. Es gibt also kein richtig oder falsch, du musst der Komission nur klarmachen wie sehr du es willst.

Was ich den betroffenen jetzt sage ist: Entspannt euch denn... 
S.S. Jakobeit
Ja, die Prüfung ging über 4 Tage, aber es wurden zwei Themen (nicht mal präzise) genannt, von denen man sich eines aussuchen durfte. Dabei waren einem alle Möglichkeiten offen und viel Platz zur Interpretation des Themas. Im Endeffekt geben sie euch nur ein Thema, damit ihr für euch eine Inspiration habt, auf der ihr euch austoben könnt. Ihr dürft währenddessen nicht darauf achten was die anderen tun!! Jeder hat einen ganz eigenen Stil. Bei den meisten konnte ich nicht mal annähernd einen Bezug zu dem Thema sehen, geschweige denn irgendeinen Sinn (ein Mädchen hat ein riesiges Tippizelt aus Papier gebaut).
Die Konkurenz ist hart, Erst-Bewerber haben eine geringere Chance und es befinden sich teils Bewerber unter euch, die bereits einen Kunstabschluss gemeistert haben. Das alles MUSS euch aber egal sein. Entgegen dem, was alle sagen werden, will die UdK vor Allem eines: Dich als Individuum aus dem sie dann einen eigenständigen Künstler schaffen. Rohdiamanten, quasi!
Bei mir war es sogar so, dass wir diese 4 Tage arbeiten durften wo wir wollten, im Atelier, auf dem Hinterhof, im Park um die Ecke, ja theoretisch sogar zu Hause.

Das Prüfungsgespräch:
Das Gespräch kann einem ziemliche Angst einjagen. Ihr bekommt eine genaue Uhrzeit zu der ihr erscheinen müsst. Bei mir verschob sich am Tag selber dann alles nach hinten und so hieß es weitere zwei Stunden bangen. Ich hab mir damals ganz genau überlegt was ich sagen werde. Habe mir eine Interpretation zu meinem Prüfungsbild ausgedacht, über meine Beweggründe, künstlerische Vorbilder, Karrierewünsche, mein Arbeitsprozess etc. und habe meine Vorstellung immer wieder geübt und geübt mit einem möglichst, von der Kunst hingerissenem, Gesichtsausdruck. Gewappnet betrat ich damals den Raum, in dem tatsächlich 15 Menschen in einer Reihe vor mir saßen und mich kritisch beäugten. Da kann einem schonmal der Magen in die Füße rutschen. Hinter mir lag bereits meine Mappe aufgeklappt da. Begrüsst wurde ich recht enthusiastisch mit den Worten: "Auf Sie waren wir sehr gespannt."
Während die anderen 14 Personen glotzten und etwas auf ihr Papier kritzelten, stellte die 15., ein Mann.  genau 3 Fragen:
- Wer ist dein Vorbild?
S.S. Jakobeit
- Welches Zweit-Fach würdest du nehmen?
- Wieso hast du in der Prüfung mit Bleistift gearbeitet, obwohl du sonst eher die Malerin bist?
Das ganze dauerte vielleicht 4 Minuten, anschließend wurde ich wieder aus dem Raum geschickt und musste weitere zwei Tage darauf warten, dass die Entscheidung mit den akzeptierten Bewerbern ausgehängt wurde. Glücklich war ich damit nicht, da ich eigendlich so viel mehr zu sagen hatte, als die Beantwortung dieser drei Fragen.

Fazit:
Wie bereits erwähnt wurde ich damals nicht genommen, was in der Absage damit erklärt wurde, dass ich zum einen Erst-Bewerberin war und es in diesem Jahr viele gab, die sich bereits zum vermehrten Male beworben hatten und zum anderen, dass meine Prüfungsarbeit weniger beeindruckend war, als meine Mappe. Meiner Meinung nach habe ich einen wichtigen Fehler gemacht: ich bin mir in der Prüfung nicht treu geblieben. Ich habe zu einem anderen Stil gegriffen, um zu zeigen, dass ich auch zeichnerisch gut bin, aber zeichnen kann man lernen, Expressionen allerdings nicht, genau das hatten sie aber von mir erwartet. Im Grunde kannst du nie wissen, was gewollt oder nicht gewollt ist (erneute Anspielung auf die Dame mit dem Tippi). Ihr müsst ihr selbst bleiben und das tun, was euch am meisten liegt. Arbeitet instinktiv und versucht euch nicht zu viel Druck zu machen und habt Spaß an der Sache!




S.S. Jakobeit
Hat noch wer Erfahrung bei der Bewerbung an der UdK oder Kunstschulen generell?
Ansonsten, euch viel Erfolg, aber auch Glück bei eurer Bewerbung! Ich hoffe, ich konnte euch geben, was mir damals gefehlt hat.

Kommentare:

Katharina hat gesagt…


Wow, da bist Du aber wirklich weit gekommen!
Ich habe mich damals erfolglos an der Kunstakademie Düsseldorf und an der Hfbk in Hamburg beworben. Für letzteres habe ich in Bonn einen Mappenkurs besucht. Die Dozentin behauptete, genau zu wissen, was "die" sehen wollen, allerdings kann sie es ja nicht für jede Kunsthochschule wissen. Und so fand sie: ​auf jeden Fall ​
Steine, ein alter Schuh ... Das klang eher nach Kunst in der Oberstufe​.
​Mein Kunstlehrer hatte mir seinerzeit für Düsseldorf geraten, ​
​möglichst viel ​​zu zeichnen und beim zwanzigsten Versuch sei es dann vielleicht einigermaßen gut.​

Naja, ich bin dann in Hamburg
​mit ungefähr zur Hälfte Bleistiftzeichnungen und Malereien ​
zu eine​r Beratungssprechstunde bei einem Professor gegangen, wo ca. zehn Interessierte ihre ​​Mappen zeigten, mit denen sie sich bewerben wollten. ​Es gab Tränen - da bin ich noch ganz gut weggekommen. Ich erinnere mich z.B. an ein Mädel, das Blumen aus ihrer Kindheit in Gläser eingeweckt hatte, und der Professor kritisierte daran eine Kleinigkeit: ob jetzt ein Etikett dran sein sollte oder nicht. Das zeigt, finde ich, daß es wirklich superschwer einzuschätzen ist, was sie nun interessant finden oder nicht. Ungewöhnlich ist wohl gut mit Tendenz zum Surrealen, und auf jeden Fall ein eigener, wiedererkennbarer Stil. Aber es kommt wohl auch drauf an, was sie schon lange nicht mehr gesehen haben.
Ich wurde jedenfalls nicht angenommen und habe schließlich etwas anderes studiert. Inzwischen bin ich drüber weg ;) und hatte das große Glück, bei meinem Job auch Illustrationen unterbringen zu können. Gemalt habe ich allerdings schon länger nicht mehr, aber dieses Bedürfnis hat sich mit der Zeit geändert, inzwischen zeichne ich lieber.

Sinah hat gesagt…

@Katharina,
Vielen Dank, dass du deine Erfahrungen so unfangreich mit uns teilst.
Ja, die Kunstwelt ist ein echt hartes Kaliber und dazu noch ziemlich brotlos, dafür, dass die Aufnahme einem so schwierig gemacht wird.
Es ist auf jeden Fall richtig, dass sie vor Allem nach Leuten suchen, die etwas an sich haben, was sie lange nicht mehr gesehen haben. Das merke ich einfach daran, dass Freunde von mir nicht mal eingeladen wurden, obwohl sie technisch bzw. im Detail besser sind als ich.
Die Mappenberatung hat uns damals auch alle in der Luft zerrissen und jene, die sie mit guten Chancen einschätzen, bekamen sofort eine Absage mit der harten Begründung: kein Talent!
Das fand ich teils richtig hart, weil wirklich talentierte Menschen dabei waren.
Ich bin über meine Chance nach wie vor sehr sehr froh, auch wenns am Ende nicht geklappt hat.
Darf ich fragen was du inzwischen arbeitest, wenn du sogar Illustrationen einbringen kannst? Vielleicht wäre das eine schöne Alternative für jene, die den Kunstraum nicht gänzlich aufgeben wollen.

Katharina hat gesagt…

Danke für Deine Antwort, Sinah! Ich hatte ein bißchen Glück: Ich habe schließlich Germanistik und Anglistik studiert, arbeite als Assistentin für einen Schriftsteller, und der brauchte Illustrationen für seine Kolumnen. Und inzwischen versuche ich auch, nebenbei meine eigenen Projekte zu verfolgen.
Denn wie man mir damals sagte: "Studier was Anständiges, malen kannst du in deiner Freizeit", das klappt im richtigen Leben nicht - mangels Freizeit.
Ich muß auch noch ergänzen, daß sich meine Einstellung geändert hat: Als ich "jung" war, mußte es unbedingt freie Kunst sein; Illustration zu studieren, kam für mich nicht in Frage, weil ich es gezwungen und unkreativ fand. Das sehe ich inzwischen entschieden anders!

Sinah hat gesagt…

Wow,Katharina, das klingt ja richtig gut!
Tja, ich habe ja inzwischen einen ganz anderen Weg eingeschlagen, der wenn man sich die Jobchancen anguckt, auch nicht viel vernünftiger ist. Ich schätze ich interessiere mich wohl nur brotlose Dinge, haha.
Von der freien Kunst würde ich auch eher abraten, da ich damals bei der Prüfung mit einigen Damen gesprochen hatte, die sich halt nochmal an der UdK beworben haben, um doch nochmal Lehramt zu studieren, obwohl sie ein Studium in der freien Kunst bereits abgeschlossen hatten. Es war einfach zu viel Druck immer etwas neues zu schaffen, was Kunden auch kaufen würden. Sich als freier Künstler zu etablieren ist mit viel Existensangst verbunden und bringt eben eine andere Art von Zwang mit sich. So hat eben alles seine Sonnen- und Schattenseiten. Ja, das mit der Freizeit ist sone Sache. Ich schaffe es ja nicht einmal während des Studiums zu malen. Man muss sich wohl irgendwie bewusst einen Weg suchen das kreative Schaffen mit dem Alltag und der Arbeit zu verbinden.
Aber freut mich für dich, dass du jetzt trotz deiner damaligen Entscheidung einen Weg gefunden hast dies einigermaßen für dich zu erreichen :-)

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