Mittwoch, 11. Dezember 2013

Herzblut Vegetarierin, die keine Vegetarierin ist


Himmel, was für ein verwirrender Titel !?
Ich darf euch das mal erklären:

Seit Mitte 2011 war ich für genau ein Jahr und einen Monat Vegetarierin. Meinen Austieg aus dieser Ernährungsweise beschrieb eine saftige Bratwurst vom Gartengrill meines Schwagers.
In diesem Post soll das Thema Vegetarismus nicht als die einzig wahre Ernährungsform dargeboten werden, genauso wenig aber als eine falsche. Jeder muss für sich selbst wissen wie er leben möchte.

Ich möchte euch heute einfach mal von meinen Erfahrungen berichten, viel eher aber noch über den Weg, den ich inzwischen gehe, da ich von mir behaupten kann, die goldene Mitte für mich gefunden zu haben.

Das ich Vegetarierin werden möchte entschied sich quasi über Nacht. Ich habe weder einen Film von PETA
gesehen, noch geglaubt, dass ich damit die Welt retten könnte. Ich stand ganz normal am Kühlschrank und überlegte, was ich mir auf mein Brot legen sollte und brütete über einer orangenen Fleischwurst, deren Geruch mich irgendwie unerwartet anekelte. Mir wurde klar, dass ich keinen Schimmer hatte, WAS genau diese Wurst eigendlich ist und WO sie herkam. Daraufhin sah ich mir die Salami an, die plötzlich glibschig und fettig in meiner Hand lag und mein Bauch weigerte sich irgendwas davon in sich hineinzulassen. Es war die ersten Wochen mein Bauch, der mich davon abhielt Fleisch zu mir zu nehmen. Dazu kam noch, dass eine Freundin für ein Referat einen Monat lang auf Fleisch verzichten wollte und solidarisch wie ich war, schloss ich mich ihr an. Die Wochen vergingen und zugegeben die ersten drei Tage waren komisch. Mir war überhaupt nicht bewusst in wie vielen Gerichten Fleisch drin war. Eigendlich hatte ich mich schon immer für jemanden gehalten, der wenig Fleisch isst. Nach drei Tagen ohne Fleisch jedoch, stufte ich mich beinahe als Fleischvielfraß ein. Das schwierige war nun sich so zu ernähren, dass einem nicht langweilig wurde und es galt viele neue Gemüse, Weizen und Sojaprodukte auszuprobieren. Es gab viel Nudeln, Paprika, Zuchini und Käse zum Mittagessen, Brot mit Frischkäse und Yogurt zum Frühstück und Salat und Ei zum Abendessen. Als der Monat vorbei war und meine Freundin wieder Fleisch aß, konnte ich selber nicht glauben, dass es vorbei sein sollte. Ich hatte mich an meine Ernährung gewöhnt und wusste gar nicht wozu ich das Fleisch an meinem Gericht brauche. Also machte ich weiter und es ging mir dabei blendend. Ich war ausgeglichener und hatte dazu noch ein wenig abgenommen.
Nach zwei Monaten begann ich irgendwann die Konsistenz von Fleisch zu vermissen, nicht aber das Fleisch selbst. Das brachte mich dazu es mal mit Tofu zu probieren, den es in vielen Variationen mit Fleischgewürz gab. Das Tofuragout von Netto schmeckt mir bis heute immernoch besser als richtiges Ragout.
Der einzige Haken an der Sache war, dass der Spaß mit dem Tofu ganz schön teuer wurde, weshalb es zu einer eher seltenen Kost wurde.
Irgendwann nervte es mich, dass ich jedes Mal wenn ich zugeben musste, dass ich kein Fleisch esse, ich eine Diskussion zum Vegetarismus führen musste, obwohl ich nie behauptete, dass ich irgendeinem Tier damit helfen würde. Ich wollte lediglich nicht so ein qualitativ schlechtes Fleisch aus schlechter Behandlung unterstützen und für mich einen Weg finden wie ich mit dieser Fleischwirtschaft umgehen kann.
Das Jahr verlief dann weiter relativ ereignislos, das Essen machte mir Spaß und ich merkte plötzlich wie intensiv ich den Geruch von Fleisch aufnehmen konnte.

In den letzten zwei Monaten dann merkte ich wie mein Immunsystem zu schwächeln begann. Ich hatte mich nie damit auseinander gesetzt was ich essen müsse, um alle Nährstoffanforderungen meines Körpers auszugleichen. Schließlich ging es nicht anders und mit zittrigen Händen setzte eine fettige Bratwurst meinem Stolz ein Ende.
Ich musste einsehen, dass man nur als Vegetarier leben könne, wenn man seinem Körper trotzdem alles gibt was er braucht, was nicht unbedingt billig ist und ich das hätte selber bezahlen müssen.

Seit dem esse ich Fleisch und das auch sehr sehr gerne. Ich liebe ein gutes Steak oder ein leckeres Putenbrustfilet mit Honig. Dennoch lebe ich größtenteils von Gemüse und Tofu. Fleischigen Brotbelag esse ich sehr wenig bis fast nie, aber Hühnchenfleisch gehört für mich zu einem Lecker-Schmeckergericht dazu!

Der wichtige Unterschied zu vorher und nacher ist, das ich es IMMER merke und ganz genau weiß, dass ich gerade ein Stück Fleisch im Mund habe und dieses zergeht dann auf meiner Zunge wie ein Stück Schokolade.
Wer irgendwie bei sich merkt, dass er am Essen nicht mehr solchen Spaß hat, für den ist das ein ähnlicher Effekt wie beim Fasten. Hinterher scheint dir die Sonne aus dem Mund und die Geschmacksnerven feiern eine fette Party.

Falls ihr Erfahrungen mit dem Thema gemacht habt, würde ich mich freuen davon zu hören, also schreibts in die Kommentare! Falls gewünscht kann ich auch gerne mal ein paar vegetarische Gerichte mit euch teilen.

Kommentare:

Sari hat gesagt…

Teilen ist immer erwünscht, vor allem Rezepte, aber ich muss gestehen, ich könnte nicht auf Fleisch verzichten. Ich esse das viel zu gerne. Da achte ich lieber drauf, was für Fleisch ich kaufe.

Sinah hat gesagt…

Das finde ich auch eine sehr gute Einstellung dem Thema gegenüber. Lieber wenig Fleisch und dafür leckeres gutes Fleisch, mit dem man dann ein richtig tolles Gericht kocht, auf das man freut.

Ella hat gesagt…

Es ist einfach wichtig die Balance zu finden. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Man sollte einfach BEWUSST essen was einem Schmeck und weiß dass es für einen selbst & Körper gut tut.

anni hat gesagt…

Ich versuche generell nur das Fleisch zu mir zu nehmen, bei dem ich in etwa die Ahnung hab wo es herkommt. Auf dem Land ist das wesentlich einfacher, als in der Stadt. Wenn ich von Zuhause ausziehe, möchte ich allerdings versuchen, vegetarisch zu leben, weil ich auch einfach mal Erfahrung darin sammeln möchte.

Toller Beitrag, finde ich sehr interessant :)

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