Mittwoch, 16. Oktober 2013

Ein Einblick in die erste Uniwoche


Wie ihr ja wahrscheinlich schon wisst, beginne ich gerade ein neues Studium an einer, mir neuen, Universität. Ein Jahr (davon ein semester aktiv und eines so halb gemogelt) habe ich an der wunderschönen und idyllischen Universität in Potsdam studiert, wo selbst der Campusmülleimer schon etwas wohnhaft episches an sich hat. Dort widmete ich mich den zwei wunderbar melodischen Sprachen Spanisch (das ich vorher schon recht fortgeschritten beherrschte) und Italienisch ( mein Talent umfasste die Worte "gelato" und "vino bianco" und war damit noch nicht allzu ausgeprägt). Zusätzlich hing an diesen beiden Studiengängen das Wort Philologie (wörtlich: Die Liebe zum Wort), welches die Sprachwissenschaft beschreibt, leicht zu unterschätzen ist und das ganze alles andere als "episch" macht.
Zwei Sprachen á 8 Std/Woche + die üblichen Seminare und Vorlesungen + gut 40 Std/Woche Nachbereitungszeit + Kellnern (der ganze Schlamassel muss ja auch bezahlt werden) war dann doch ein wenig zu viel des Guten und auch nicht mehr wirklich spaßig.

Nach langem Überlegen, Umentscheiden, Identifikationskrisen und Zweifeln, fiel die Wahl dann irgendwann auf ein Studium der Prähistorischen Archäologie.
Wenn man noch nicht so ganz weiß was man will, so sollte man doch wenigstens seine Chancen nutzen, um herrauszufinden, was man vielleicht schonmal irgendwann ausschließen kann.

Nach einem wundervollem Motivationsgeschenk meines Freundes, eine Kiste gefüllt mit Goldstaub, Federn,
Geschenk: Die Entdeckerbox
dem Stift von Aristoteles (ein Stabilo Inki), den Ringen der Hatschepsut (goldenen Modeschmuckringen von H&M) und einem Entdeckerhut, bin ich nun gewappnet und bereit zu beginnen.


Tag 1: Einführung Geschichts-und Kulturwissenschaft

Morgens, halb zehn, in Deutschland.
In einem Raum, so groß wie ein Theatersaal, tümmeln sich knapp 700 Menschen. Alle sind der geschichtlichen und kulturwissenschaftlichen Fakultät der Freien Universität angehörig. 95% von ihnen werde ich, aller wahrscheinlichkeit, nie wieder sehen.
Der Präsident der Uni erzählt entspannt und recht sympathisch von den vielen Vorteilen und Freuden, die seine Uni so zu bieten hat. Die Dame nach ihm hingegen versetzt mich in Tiefschlaf.
Als ein Studentenvertreter mit lautem Beifall die Bühne betritt, bin ich wieder hell wach. Zum großen Missfallen aller Vorredner macht der Student alle Arbeit der zuvor präsentierten Positivität zu nichte und entblößt unbarmherzig all die Gemeinheiten, die der Unialltag so mit sich bringt und ich klatsche begeistert, weil ich falsche Verherrlichung nicht leiden kann. Der Herr nach ihm versucht panisch, dass Gleichgewicht wieder herzustellen, verkauft uns das ganze Durcheinander nun als Veranschaulichung von gut und böse und verweisst darauf, dass jeder von uns am Ausgang eine Zitat: "superstylische Tasche" geschenkt bekommt.
Schnell verstaue ich diese "superstylische" und megapeinliche Tasche in meinem Rucksack und verleite meinen Freund zu einem romantischen Diné in der Mensa.
Was für ein Start.

Tag 2: Einführung in die Prähistorische Archäologie
Heute geht es direkt in mein Institut der Prähistorischen Archäologie, eine Backsteinvilla in Dahlem.
Der einzige Seminarraum dieses Instituts ist zu meinem Entsetzen ein weißer Plattenbau, bestehend aus einem Raum, mit dünnen Wänden, ebenso düster wie farblos. Sympathisch hingegen erscheint mir die Menge der Bierkästen, die gleich am Eingang plaziert ist. Jetzt weiß ich wo nachts in Dahlem was los ist *lach*.
Als der Professor den Raum betritt muss er angesichts der vollzählig anwesenden und mit aufgerissenen Augen wartenden Neuzugängen lachen und begrüßt uns mit den Worten:
"Euch ist schon klar, dass 10 Uhr in der Uni 10:15 Uhr bedeutet?"
Und so sitzen wir alle entgeistert geschlagene 15 Minuten da und warten auf das Ende des akademischen Viertels. Wie konnte ich das nur vergessen?!
Entgegen meiner Erfahrungen in Potsdam, bei der ich schon vor offiziellem Beginn der Vorlesungen allein drei neue Freunde gefunden hatte, scheinen meine neuen Kommillitonen hier ihre Kontaktfreudigkeit noch zu Hause vergessen zu haben. Nach ein paar allgemeinen Infos (die Uni ist bei weitem nicht mehr so lari-fari wie früher, Anwesenheit ist Pflicht und die Schwierigkeit der Prüfungen in diesem Fach soll bombastisch sein, yay!) erhalten wir auch hier wieder eine Tasche, heute in pink, die diesmal die Jungs eifrig hinterm Jordan verschwinden lassen. "Pink, wie unmännlich!"

Zu Tag 3 und 4 ein andern Mal mehr!
Habt ihr studiert und wenn ja wie lief das am Anfang bei euch so?

Kommentare:

Sari hat gesagt…

So schlimm scheinen die Taschen gar nicht zu sein, denn ich sehe auf meinem Arbeit weg ständig Studenten damit in der Hand, meist gefüllt mit Büchern :)

Muetzenschaf hat gesagt…

Hihi ich an meiner FH eine rote bekommen und die hab ich hin und wieder mal mit genommen.
Da wir auch nur eine kleine Schar damals waren, konnte ich schnell Anschluss finden und habe dort auch meinen Freund kennengelernt. *^^*

Sinah hat gesagt…

@Sari:
Ja, inzwischen habe ich auch schon sehr viele Leute mit der Tasche umherwandeln sehen. Mal sehen, ob ich sie noch lieben lerne. Die Geste fand ich aber schonmal super!

@Muetzenschaf:
Das klingt ja super! Obwohl wir auch nur eine Schar von vielleicht 50 Leuten sind, ist die Uni sooo riesig, dass ich selten einen davon erspähe. Was studierst du denn? :)

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