Mittwoch, 11. September 2013

Kinobesuch: Feuchtgebiete

Heute möchte ich über einen zur Zeit ziemlich umstrittenden Film sprechen, der genau aus diesem Grund meine Neugier geweckt hat.
Gemeinsam mit meiner, noch ziemlich hipp gebliebenen Mutter, begab ich mich diesen Abend in eine
Vorstellung der polarisierend diskutierten Buchverfilmung von "Feuchtgebiete".

Dabei muss ich vorerst erwähnen, dass ich das, 2008 erschienende, Buch von Charlotte Roche nur teilweise gelesen habe. In der Schule fanden wir Freundinnen es immer unheimlich witzig uns in den Freistunden besonders kuriose Stellen gegenseitig vorzulesen- wir haben uns gekringelt vor lachen.

Was allerdings im Buch so fabelhaft explizit und gewöhnungsbedürftig ekelhaft beschrieben wurde, versetzte mich durchaus in eine respektvolle Haltung gegenüber der Begegnung mit dem Film. Es ist ja nun doch etwas Anderes das gelesene zusätzlich auf einer cerca 100 Zoll großen, gestochen scharfen Kinoleinwand anstarren zu müssen.
Worum es in dem Streifen geht meint man ja eigendlich schon aus dem Trailer entnehmen zu können.
Viel Gequatsche um Hämoriden, nackte Haut und komische Vorlieben und ja, mit all dem ist auch zu rechnen.
Entgegen meiner Erwartung allerdings, ging der Film auch etwas in die Tiefe. Zog einen förmlich hinein und enthielt einen sanften Hauch von Süffisants. So ist der Charakter der Hauptfigur Helen, ein Mensch mit merkwürdigen Eigenarten und einer eher ungewöhnlichen Persönlichkeit, viel breiter kreirt, als er es im Buch ist. Sowohl ihre kesse, als auch ihre verletzliche Seite werden enthüllt, was dem ganzen Film mehr Raum und Tiefe gibt. .Auch dreht sich nun vieles um Helens psychische Ebene, wie bereits in dem Trailer angespielt, in hinblick auf die Beziehung zu ihren Eltern und ihrer Kindheit.

Ästetisch gesehn hat "Feuchtgebiete" natürlich zwei Seiten.
Um ein paar Szenen, die nicht jedermanns Sache sind, kommt man natürlich nicht drum rum. Dennoch muss ich sagen, dass einige davon höhst interessant dargestellt sind- unterlegt mit einigen klassischen Klängen oder ein wenig Indie Rock. Interessant jedoch sind die Farben in manchen Szenen, besonders Flashbacks, die teils durch schöne Effekte hervor gehoben wurden.

Alles in allem verließen weder ich, noch meine Mutter, das Kino mit angehender Übelkeit oder den Ärger über den Verlust unseres Eintrittsgeldes. Innerlich gewappnet gegen alle ekelhaften Anblicke dieser Welt hat uns "Feuchtgebiete" doch eher positiv überrascht. Verdanken können wir das zum einem der Regie von David Wnendt, ins besondere aber der Hauptdarstellerin Carla Juri, die mit einer ausserordentlichen Schauspielleistung brillierte und mit ihrem kessen Akzent und ihrer Art die Stimmung des Films massiv beeinflusste.

In den Medien hingegen und wo man auch hingeht trifft man auf geteilte Meinungen. Einigen wurde richtig übel, empfanden den Film als "ekelhaft" und "blödsinnig". Von einigen habe ich sogar Sätze gehört wie "Warum sollte man sich so etwas widerliches ansehen?".

Nun ja, was soll ich dazu sagen? Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten und jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung und Auffassung. Wer also schon von vornherein weiß, dass er in derlei Filmen absolut nichts zu suchen hat, der muss ihn sich ja auch nicht ansehen. Wer allerdings neugierig geworden ist, sollte seine Vorurteile ablegen und "Feuchtgebiete" eine Chance geben. Wenns dann doch nicht das richtige war, muss man ihn sich ja nicht noch einmal ansehen. *lach*
Ich finde man muss einfach mal die Relationen sehen:
Unsere Gesellschaft sprudelt inzwischen nur noch so über von Provokationen. Sinnlose "Abschlachterfilme" wie "Saw" und "Texas Chainsaw Massacre" beherrschen die Horrorwelt. Ebenso immense Drogenfilme und Ähliches. Und über eine Frau mit besonderem Bezug zu ihrem Körper wird hergezogen?
Die Menschen sind immer abgehärteter gegenüber der Kinowelt, da sie diese ja nicht als real ansehen. Eiffern geradezu nach neuen Extremen, die anschaulich auf die Leinwand projeziert werden.
Wo sind nur die guten alten Filme aus den 60ern hin? Die waren halb so intensiv, schockierend und Sensationsgeil und waren trotzdem wundervoll....


Nunja genug geplappert Sinah! Ihr seht, ein nicht einfach zu händelndes Thema über das man wahrscheinlich ewig diskutieren könnte.
Wie sieht es bei euch aus? Was haltet ihr von dem Film? Ekelhaft? Interessant? Ganz witzig oder doch so lala? Ich bin gespannt auf eure Meinung zu der Buchverfilmung "Feuchtgebiete".

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