Donnerstag, 29. August 2013

Das unerwartete Leben // Wenn nichts so kommt wie man erdacht

Wie doch die Zeit verfliegt. Man schaut auf das Datum und bemerkt, dass Monate seit dem letzten Post vergangen sind.
Grund dafür ist das Mysterum der Mysterien. Wie schaffe ich es, dass alles nach Plan läuft. So langsam aber sicher habe ich mich inzwischen damit angefreundet, dass ein sogenannter Plan bei mir meist uneffektiv ist, denn egal wie viel man sich mit der Planerei beschäftig hat, realisiert wird irgendwie am Ende etwas anderes. Fraglich ist allerdings, ob es auf die Dauer möglich ist damit umgehen zu können.


Um euch mal wieder auf den neusten Stand zu bringen:
Vor vier Monaten bin ich aus dem guten alten Elternhaus hinaus in die Welt und in eine Mädels WG gezogen. Diese war aber eigendlich nur als Übergang gedacht. Inzwischen lebe ich mit einer guten Freundin zusammen, aber eigendlich gelten auch wir wieder als dreier WG, da mein Freund auch quasi jeden Tag bei uns ist. Von einem vollem Haus ins nächste also. Hier werde ich wohnen bis sich in vielleicht einem Jahr eine neue Möglichkeit auftut.

Fluent Life - Sinah Sidonie Jakobeit
Nun aber zurück zum Thema. War all dies der Plan?
Im Abitur habe ich mir gewünscht auf jeden Fall ins Ausland zu gehen und dort zu arbeiten.
Kennt ihr das, wenn man sich immer und ewig mit einem Traum auseinander setzt, in gedanklich formt, die Linien zeichnet und dann ausmalt? Man mag überhaupt nicht in Erwägung ziehen, dass er eines Tages scheitern könnte.
Finanziell wurde mir aber ein Strich durch die Rechnung gezogen. Ich müsse studieren, damit das Kindergeld zu Hause weiter laufe. Also ab in ein nicht geplantes Studium (die Motivation dafür hielt sich natürlich demnach in Grenzen).
Dann der nächste Strohhalm: zu Hause raus ins eigene Heim. Daraus wurde übrigens die Zwischenlösung in der ersten WG und da diese auch nur begrenzt zur Verfügung stand die Notlösung mit einer Freundin zusammen zu ziehen. Das WG- Leben ist zwar ganz nett, aber ab und zu wünscht man sich auch die Kontrolle über sein eigenes Reich.
Nächster Hoffnungszweig: Ein Studium, das Spaß macht, mit dem ich mir eine eigene Wohnung leisten und Zeit haben könnte zu mir selbst zu finden.
In Berlin mit einem Schnitt im 2er Bereich einen Studienplatz zu finden ist als wolle man in einem großen Netz voll Fische einen Regenbogenfisch finden. Es kullern die Absagen. In das alte Studium ist kein Zurück mehr.

Und nun, ein Jahr nachdem man begonnen hatte seine ersten Träume zu spinnen, steht man da und das einzige was man spinnen konnte waren Hirngespinste.
Nicht der Welt, sondern sich selbst gegenüber hegt man Schuldgefühle. Wie konnte es kommen, dass nichts was die Phantasie doch so farbenfroh hat malen können, auf der riesigen Leinwand des Lebens verewigt wurde. Stattdessen, ein undeutliches Gekrakel bestehend aus Versuchen, Skizzen und Zwischenlösungen, Ungereimtheiten, Farbklecksen und Enttäuschungen.

Das mag ein wenig übertrieben klingen, aber ich denke jeder kennt das Gefühl, dass immer dann aufkommt, wenn man realisiert, dass nichts nach Plan läuft und man kann sich auch in diesem Moment nicht vorstellen, wie es einmal klappen sollte.
Inzwischen allerdings ist mir etwas klar geworden, auf eine Weise, die mir näher nicht sein könnte.
Oft habe ich mir ein Motiv ausgedacht, das ich gerne malen würde. Ich habe es mir genau vorstellen können. Die Technik, die Wirkung, die perfekt gemischte Farbe, der exakte Pinselstrich. Dann fing ich an zu malen und mit jedem Pinselstrich war ich unsicherer und entäuschter, denn nichts wurde so wie ich es wollte.
Was habe ich dann getan? Ich habe das Bild mit dem bisher bestehenden Farben und Formen so lange im Kreis gedreht bis es funktionierte. Manche Dinge sahen über Kopf gleich ganz anders aus, ich entwickelte neue Ideen und es wurde viel schöner als ich es mir eigendlich vorgestellt hatte. Warum also nicht auch im Leben so denken?!
Also drehe und drehe und drehe ich meine Lebensleinwand halt so lange bis der Geistesblitz kommt, ich meinen farbigen Fussabdruck bestimmt und voller Vorfreude auf den Boden presse und in Richtung eines Meisterwerks wandere.

Kommentare:

Sari hat gesagt…

Was soll ich sagen? Das Leben befindet sich in einem ewigen Fluss, steht nie still und Veränderungen und unerwartete kleine Steinen kullern in den Weg.
Und meist hat am Ende doch alles irgendwie seine Gründe ...

Zinni hat gesagt…

Wow, erst einmal kann ich dazu nur sagen: Das hast du sehr schön gesagt/ geschrieben!
Und nun zum Inhalt ! :
Das ein Bild nicht immer so wird wie sein sollte ist gut so, denn wenn es das wäre, wäre es doch furchtbar langweilig, wie ich finde.
Gerade die Farbkleckse, Skizzen & kleinen Makel im Bild machen es doch erst zu etwas ganz besonderem ! Denk doch nur an all jene Menschen, die Generation für Generation immer nur das selbe Bild im Mittelpunkt ihres Wohnzimmers hängen haben. Das Bild mag zwar schön sein, aber man weiß ja auch nie, was sich dahinter verbirgt und wie gesagt, langweilig ist es ohne hin ! Und ein langweiliges Leben... muss man nicht leben... zudem ist jeder Weg irgendwann gerade & dann wünscht du dir die Kurven und Ecken herbei. Ich beschreibe das Leben immer als eine Sinuskurve ( eines der Sinnvollen Wörter, die ich aus dem Matheunterricht mitgenommen habe) ! Denk an deinen schiefen kleinen krummen Baum, er war anders aber dafür umso schöner :) Ich hab dich lieb, Sinilein!!!

Sinah hat gesagt…

Haha, welch Philosophenromane meine beiden! <3

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