Freitag, 29. März 2013

Gedankenströme & Gefühlslava: Ausziehen

Gefühlslava.. sie fließt und bringt einen vorwärts und gleichzeitig brennt sie in einem und schmerzt ein wenig. Ja, diesmal enthält sie Flammen eines Phänomens des älter werdens. Des erwachsen und des selbständig werdens. Ich rede heute mal übers Ausziehen.

Seit ich 16 bin fiebere ich darauf hin endlich mein Nest zu verlassen und mein eigenes Leben, nach meinen Ideologien, leben zu dürfen. Eine wahrlich wunderbare Vorstellung, die zum einem Mut, zum anderen Geld fordert. Bei mir ist der Moment endlich da. Ab April geht es in eine WG mit zwei wunderbaren Mädels. Nichts scheint der Vision mehr im Wege zu stehen. Doch was ist das? Ganz plötzlich treten ungeahnte Gefühle auf. Da steht man in einem immer leerer werdenem Zimmer und sieht wie 12 Jahre seines Lebens in kleine dunkle Kisten verstaut werden. Wie Gegenstände, die man lieben lernte, in den Besitzt Anderer übergehen. Man begreift: nun wird alles anders. Da auch die Erzeugerfraktion in eine neue Wohnung zieht, kann man also nicht mehr zurück und in Erinnerungen schwelgen. All dies muss nun ohne Hilfe im Kopf passieren.
Einst war dieses sonnengelb gestrichene Zimmer eine ganze Playmobil Stadt mit Reiterhof und Polizei Station. An anderen Tagen war es ein Barbieparadies. Als ich 10 war hoffte ich, auf dem Sofa sitzend, darauf, in einem Jahr einen Brief aus Hogwarts zu erhalten, um die weltbeste Hexe zu werden und im Zaubereiministerium zu arbeiten. Mit 12 dann der erste Kuss vor der grünen Haustür von einem Jungen, den ich hoffte, wenn ich groß bin, mal zu heiraten. Dann der Moment in dem ich, gepackt vom Wahn des erwachsen sein wollens, all meine Spielsachen in Kisten schmiss und sie in den Keller verdonnerte. Erste Pubertäre Wutausbrüche, bis hin zum ersten richtigen Ärger, weil man im Gefecht eines Happenings seine Freunde dazu anfeuerte die Zimmerwand freudig mit Guache Farbe zu bemalen.
Einst erfüllte Bibi Blocksberg dieses Zimmer mit ihren Hexsprüchen, während ich mit meiner Cousine die Wohnung fast unter Feuer setzte, weil wir uns naiver Weise, eine Decke über eine Lampe hingen, um eine Höhle zu bauen. Danach folgte Koreanische Boygroup Musik, Chart Hits und später dann Metal und Hard Rock Musik.
Man sitzt da auf dem imaginären Sofa (das richtige wurde soeben verkauft, weil es zu groß für das neue Zimmer wäre) und lässt Revue passieren. Ein ganzer Lebensabschnitt spielt sich vorm inneren Auge ab wie ein Film. Auf der einen Seite lächelt man, weil es nun vorran geht. Weil man erkennt, dass man eine wunderschöne Zeit hatte und man nichts davon missen will. Auf der anderen Seite rollt langsam, fast lautlos, eine Träne, weil man begreift, dass diese Zeit nun vorbei ist und man nicht mehr zurück kann.
Wie gesagt, ein ganz normaler Schritt im Leben eines jungen Erwachsenen, aber deshalb nicht umbedingt ein einfacher.
Am besten einen Abend Zeit nehmen, alle Eindrücke noch ein Mal richtig aufzusaugen, genießen und dann, guten Gewissens, einen Schritt vorwärts machen und sich auf das freuen, was nun kommt.
Denn eines kann man gewiss garantieren: langweilig wird es bestimmt nie.

Kommentare:

Sari hat gesagt…

Herrjeh, so viele Erinnerungen und ich kann gar nicht glauben, dass schon so viel Zeit vergangen ist. Nimm Dir ein Teil. Eines, dass Du Dir zugestehst, dass du eigentlich gar nicht brauchst und nur unnötig Platz wegnimmt. Ein einziges, dass Du hinstellst und das dich immer an vergangene Tage erinnert ;)

Ella hat gesagt…

Oh ja, daran kann ich mich noch gut erinnern... Mein Auszug war auch eine art hau-ruck aktion gewesen. Meine Eltern brachten die Möbel und mein Hab und Gut und zack weg waren sie und ich stand allein in der leeren Wohnung mit 100 Kartons... Danke xD

Bea hat gesagt…

Ich bin mit 18 mit meiner Familie schon umgezogen. Ich hänge mehr an der alten Wohnung als an der neuen, auch wenn ich damals ein Durchgangszimmer hatte und darunter litt.
Jetzt werde ich im April 25 und wohne noch immer bei meinen Eltern. Ausziehen wollte ich immer früh, finanziell war es nie drin.
Und nun? Jetzt stehe ich doch vor dem Auszug und es ging so schnell. Mein Freund hat ein Haus gekauft und wir ziehen dieses Jahr zusammen. Zack, war das so. Und nun merke ich doch, dass auch ich nostalgisch werde und kann mir auch kaum vorstellen, mit meinem Schatz, den Kaninchen und den Schildkröten bald ein eigenes, großes Reich zu haben. Das ist mir schon fast noch zu "erwachsen". Mein Zimmer verlassen, meine Familie, die sich ja doch um vieles kümmern und wo man immer direkt hingehen konnte. Bald liegt fast ganz Essen zwischen uns und man sieht sich nicht mehr täglich....ich finde es so merkwürdig.

Katta hat gesagt…

Es ist schon verrückt, was einem bei einem solchen Anlass so durch den Kopf geht und welch Momente man mit einer kleinen Fläche in Erinnerung bringt!

Luigi hat gesagt…

Solche Gedanken hatte ich damals irgendwie nie, oder ich kann mich nicht mehr erinnern.
Bei uns musste es schnell gehen weil meine Freundin und jetzige Frau zu Hause raus geflogen war. Da blieb keine Zeit für sentimentales - leider!

Sinah hat gesagt…

Es tut gut zu hören, dass man nicht allein mit diesen Gedanken ist.
Ich denke auch, dass es die Wohnungen sind, in denen man das intensivste erlebt hat. Dies kann einen sehr langen Zeitraum bedeuten, aber auch einen sehr kurzen.
Ich habe manchmal richtig Bammel davor, was für Menschen jetzt wohl dort einziehen werden. Werden sie das Haus bzw. mein Zimmer genauso lieben und würdigen wie ich? Was werden sie daraus machen? Was werden sie dort erleben.
Wie Ted in How I met your mother sagt:
"Ich dachte immer das Haus wäre ein Teil unseres Lebens. Dabei sind wir ein Teil seines Lebens."

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